Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287959
Zweiter 
Zeitraum. 
Ralfael 
und 
seine 
Schule. 
361 
Geometrie voraus; und übrigens weiss man, dass er auch Ana- 
tomie, Geschichte und Dichtkunst trieb H). Sein grösstes 
Studium aber in Rom waren die Griechischen Musterw), wel- 
che sein Wissen vollendeten. Er betrachtete die alten Bauten, 
und wurde sechs Jahre lang so von Bramante über die 
Theorie derselben belehrt, dass er nach dessen Tode statt sei- 
ner die Aufsicht über den Bau der Peterskirche führen konntew). 
Er betrachtete die alten Bildwerke und machte sich aus ihnen 
nicht nur die Umrisse, die Gewandung und Bewegung, sondern 
den Geist und die leitenden Grundsätze der Kunst zu eigen. 
Nicht zufrieden mit dem, was zu Rom war, hielt er auch 
Zeichner für Alterthümer in Pozzuolo, durch ganz Italien, bis 
nach Griechenland hinein. Und nicht minder nützte er die 
Lebenden, mit welchen er sich über seine Composltioncn be- 
17) Ein Sonett von ihm führt Piacenza in den Anmerkungen zu 
Baldinucci an T. II. p. 371. L.  Auch auf der Rückseite ei- 
ner lianilzeichnung befindlich. Zwei Uebersetzungen desselben in 
Tölkenis angef. Rede. Der Anfang eines andern Sonetts findet 
sich auch auf einer Raff. Handzeichnung, Q, 
18) Was Griechische oder Römische Kunstwerke sind, unterschied 
man damals wol nicht so genau, als jetzt. Sollte RaffaePs, dem 
schönsten Antiken ähnlicher Styl nichbmehr auf seinem innigen 
Naturgefühle, als auf einem blassen Studiren und Aneignen des Al- 
ten heruhn? {Wäre letzteres nur der Fall, so würden RaffacPs 
Werke leblos eyn und nicht die eigenthünrliche Schönheit in 
sich tragen. Dass sie aber oft in der Sinnesweise der An- 
tilte gleichen, kommt wol daher, dass sie eben auch wie die 
Griechischen Meister der ewigen Naturschönheit gleichen, also 
unter einander eine Aehnlichkeit, und doch auch eine specilischß 
Eigcnthümlichkeit statt linder: muss und wirklich statt findet. Es ist. 
also die Einheit in der Mannigfaltigkeit der Schönheit antiker und 
Raffaelischer Wierke, worauf diese Aehnlichkcit beruht und eine 
Uebereinstilnmung ohne Nachahmung, die wir hieran erkennen. 
19) Auf Leo X. Wunsch machte er eine Zeichnung und Beschrei- 
bung des alten Roms, da er auch die Kunst erfunden hatte, Ge. 
biiude mit der Magnetnadel auszumessen Dies hat uns Frances- 
coni enthüllt, indem er einen ehlnnls Castiglione beigelegten 
Briefllaffaelen wieder zugesprochen hat. Es ist gleichsam eine 
Zueignung des Werks an Leo X_; alter das XYerk selbst und die 
Zeichnung sind verloren gegangen, und mehrere von Rßffael ausge- 
messene Bauten sind unter den folgenden Päpsten abgetragen wor- 
den. Ein schönes Loh dieses Werks von einem Zeitgenossen führt 
Morelli in den Anmerkungen zur Aiotizia p. 210 an. Es ist von 
einem Marcantonio Michiel, welcher sagt, R. habe die Verhält- 
nisse, Formen und Verzierungen der alten Gebäude Rom's o klar 
dargestellt, dass msndas alle Rom nicht gesehen zu haben brauchte. 
L.
        

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