Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287929
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Drittes 
Buch. 
Römische 
Schule. 
sehaft, unter ihnen stiften konnte. Wenigstens war damals 
wol keiner geeigneter, als Vinci, ihm einen Begriff von voll- 
endetem Wissen zu geben, was Pietro nicht vermoeht hatte, 
und ihn in die scharfsinnigsten Ansichten der Kunst einzu- 
weihen. Gemälde von Michelangelo waren seltener und 
sagten Raffaelw Genius minder zu; sein grosser Carton 
war 1504 noch nicht vollendet, und vor der Vollendung wollte 
er ihn nicht sehen lassen. Er vollendete ihn einige Jahre 
nachher, als er aus Furcht vor Julius ll. aus Rom floh und 
nach Florenz zurückkehrte. Also konnte ihn Raffael da- 
mals nicht studiren; auch hielt er sich damals nicht lange in 
Florenz auf, weil ihm, wie Vasari sagt, die Aeltern gestor- 
ben waren, und er in seine Vaterstadt zurückmusste 9). 1m 
Jahre 1505 finden wir ihn in Perugia, und in dies Jahr ge- 
hört die Capelle des heil. Severus, und der Gekreuzigte, wel- 
chen die Camaldolenser Väter aus der Mauer gesägt aufbewah- 
ren. Aus diesen Gemälden, sämmtlich auf Kalk, lässt sich un- 
gefähr ermessen, was er hinsichtlich des Geschmacks in Flo- 
renz gelernt. Ich glaube behaupten zu können, nicht das Ana- 
tomische zog ihn an; denn am Körper des Erlösers, wo es am 
passendsten gewesen wäre, fand es sich nicht. Im Schönen 
konnte er auch nicht gewinnen; davon hatte er schon früher 
so schöne Proben gegeben; eben so wenig im Ausdruck, weil 
er in Florenz nicht heseeltere, lebendigem und reizenderelKöpfe 
fand, als er selbst malte. Bloss weichere Färbung, Grupplrung 
und Verkürzung scheint er dort besser gelernt zu haben, durch 
Vinci, oder Buonarro ti, oder beide, oder auch ältere Ma- 
ler. Er kehrte später dahin zurück, und verliess es in kur- 
zem wieder, um zu S. Franeeseo in Perugia die Bestattung 
Christi m) zu malen, wozu er den Carton in Florenz gemacht 
0) Vasari erzählt, dies halte sich begeben entweder als Buonar. 
roti an den Statuen des S, Pietro in Vincoli arbeitete, oder die 
Decke der Sistina. nwlle, also einige Jahre nachher, als Raffael in 
Rom war. Diese zweite ganghßrere Meinung hatte ich früher auch. 
Jetzt aber glaube ich laut eines Breve von Julius (Lett. 11m. T, 
III. p. 320), worin Michelangelo nach Rom zurückberufen und 
ihm versprochen wird: zfllaeszzs, inviolatusgue an's, der Carton sei 
1506 beendet worden, von welchem Jahre das Breve ist. Su konnte 
ihn also Raffael bei seinem zweiten, oder dritten Besuche in Flo- 
renz sehen, L. 
Gestochen von 
Volpafüä" 
jetzt 
von Amsler.
        

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