Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287875
Zweiter 
Zeitraum. 
Raffael 
und 
seine 
Schule. 
353 
verschiedenen Bewegungen, mit verschieden gefalteten Zetteln,- 
worauf einige Worte zum Lobe des heil. Eremitano zu lesen; 
obcn der himmlische Vater prachtvoll ebenfalls in einer Glorie 
von Engeln. Die Personen sind wie in einem Tempel, dessen 
Pilaster mit kleinen Arbeiten in Mantegnaw Art verziert 
sind, und in den Falten der Gewänder ist noch zum Theil de! 
alte, zum Theil ein verbesserter Geschmack; so auch im Dä- 
mon, der unter den Füssen dieses Heiligen liegt, ist nicht die 
launenhafte Hiisslichkeit, welche die Alten darein legten, er 
sieht wie ein wahrer Mohr aus. Ein anderes Bild malte er 
um diese Zeit für die Kirche des heil. Dominicus, einen Ge- 
kreuzigten zwischen zwei Engeln; der eine sammelt in einem 
Kelche das heilige Blut, das aus der Rechten quillt, der andere 
mit zweien, das aus der Linken und aus der Seite; die Mut- 
ter und der Jünger stehen voll Schmerz dabei, Magdalena und 
noch ein Heiliger schauen knieend das grosse Geheimnis an; 
oben ist der himmlische Vater. Alle Figuren könnten mit 
Pietrots besten verwechselt werden, die Jungfrau ausgenom- 
men, deren Schönheit, meines Bedünkens, jener nie, oder höch- 
stens vielleicht in den letzten Jahren erreicht hat. Eine an- 
dere Nachricht aus jener Zeit finde ich bei Morcelli de stylo 
inscript. lat. 11. 476. Er erzählt, er habe bei Annibale Mag- 
giori, einem edlen Fermaner, eine Madonna gesehen, welche 
mit beiden Händen von dem in einer Wiege schlafenden Götterkinde 
einen dünnen Schleier wegzog; dabei stand der heil. Joseph, 
der an diesem seligen Anblick sich weidete, auf dessen Stabe 
der Vf. selbst eine Inschrift in überaus kleinen Buchstaben 
entdeckte und las R. S. V. A. A. XVII P. Raphael Sanctius 
Urbinas anno aetatis 17 pinxit. Die musste der erste Ver- 
such jenes Gedankens seyn, den er erwachsen im Tesoro zu 
Loreto verbesserte, wo der göttliche Knabe nicht schläft, son- 
dern anmuthig die Händchen nach der Jungfrau Streßkt- Aus 
dieser Zeit scheinen mir ebenfalls die kleinen runden Gemälde, 
welche weiter unten bei der Madonna della Seggiola genannt 
werden.  
Vasari sagt, vor diesen zwei Bildern habe er schon in 
Perugia. für die Conventualen lllariä Himmelfahrt nebst drei 
Ereignissen aus ihrem Leben am Sockel gemalt; was aber wol 
bezweifelt werden könnte, da e: ein vollendeteren Werk ist. 
Z
        

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