Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287831
Zweiter 
Zeitraum. 
115112191 
und 
seine 
Schule. 
349 
die besten Venezianer zu blühen begannen, so dass es ein 
Mensehenalter erfordert hätte, sie alle kennen zu lernen. Und 
so erreichte die Malerei in wenig Jahren eine Höhe, wie nie 
vorher, noch nachher, bloss durch Nachahmung dieser ersten 
Meister, oder durch Verein der in ihren Werken zertreuten 
Vorzüge in Einem Werke. So pflegen aber, nach einer Alles 
leitenden Vorsehung, gewöhnlich die höchsten Geister in einer 
Kunst sich gleichzeitig, oder kurz auf einander zu entwickeln; 
wovon Vellejus Paterculus, trotz alles Grübelns, nie 
den wahren Grund einzusehen gestand. Ich sehe, sagte er, 
in einem sehr kleinen Zeitraume die seltensten Männer Einer 
Kunst zusammengedrüngt, wie Thiere mehrerer Arten, die in 
einen verschlossenen Ort eingeengt, doch ein verwandtes dem 
andern nahe, in mehrern getrennten Räumen sich vereinen 
und verbinden. Ein Zeitalter allein hob durch Aeschylus, 
Sophokles und Euripides die Tragödie, Ein Zeitalter die 
alte Komödie unter Kratinus, Aristophanes, Eumolpi- 
des, und so die neue unter Menander, Diphilus und Phi. 
lemon. Nach Plato und Aristoteles standen wenig be- 
rühmte Philosophen auf; und wer Isokr a t es und seine Schule 
kennt, kennt auch die Glanzhöhe Griechischer Beredsamkeit. 
Dasselbe gilt auch von andern Völkern. Die grossen Lateini- 
schen Schriftsteller sammelten sich um das Zeitalter Augustus; 
und Leo X. war der Augustus der Italienischen Schriftsteller", 
Ludwig der Grosse der Französischen, Karl IL der Eng- 
lischen. 
Wenn nun Ve lle j us meint, die Grösse vorhandener Treff- 
lichen schlage nieder, so wird damit doch nicht die Gleich- 
zeitigkeit grosser Männer erklärt. Mir scheinen vielmehr 
Jahrhunderte sich nach gewissen allgemein von Künstlern und 
Kunstfreunden anerkannten Grundsätzen zu bilden, die, wenn 
sie nun einmal für die wahrsten und richtigsten angesprochen 
werden, einige ausserordentliche und viele gute Künstler her- 
vorrufen. So wie sich, nach Maasgabe menschlichen Unbe- 
standes , diese Grundsätze ändern, ändert sich auch das Jahr- 
hundert. Dabei muss ich aber noch bemerken, dass so glück- 
liche Jahrhunderte nie ohne eine grosse Anzahl Fürsten und 
Privatmänner entstehen, welche in Geschmack und Bestellungen 
wetteifern. So nur legen sich Viele darauf und unter dienen
        

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