Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287511
Drittes 
Buch; 
Römische 
Schule. 
317 
sind, so verhält es sich auch mit den Malerschulen, welche 
man immer nach dem Orte, nie nach den Meistern benannt 
hat. Vasari unterschied die Schulen gar nicht. Agucehi 
war der Erste, der die Italienische Malerei in Lomhardische, 
Venediger, Toscaner und Römische eintheilte 3). Er brauchte 
auch zuerst wieder nächst den Alten das Wort Schulen, und 
gab der Römischen den Namen. Vielleicht irrte er darin, dass 
er ihr ausser Raffael auch Michelangelo zum Haupte 
gab, den die Nachwelt an die Spitze der Florentiner stellte; 
nicht aber darin, dass er sie, da sie doch ihren eigenthümli- 
chen Styl hatte, von jeder anderen unterschied. Und darin sind 
ihm alle Neueren gefolgt. Der Charakter, den sie der Römi- 
schen Schule beilegen, ist die Nachahmung der alten Marmor- 
werke, nicht nur im Krüftigen, sondern auch im Zierlichsten 
und Gewähltesten; und ähnliche Merkmale fügen sie hinzu, 
welche wir zu ihrer Zeit angeben werden. Somit hat denn 
der Ausdruck Römische Schule, entweder wegen seiner Ange- 
messenheit, oder durch Uebereinkunft, überall Platz gefasst, 
und da er einmal einen der Hauptstyle der Malerei bezeichnet, 
so müssen wir ihn wol brauchen, wenn wir Andern verständ- 
lich werden wollen. Wir sagen zwar nicht Schule der Römer, 
wie man die im ersten Buche beschriebene Schule der Floren- 
tiner nennen könnte; indess dürfte, wenn Jemand so reden 
wollte, auch dies in einem noch viel umfassendem Sinne ihr 
zukommen. 
Auch thnt es gar nichts, dass ausheimische Künstler in 
Rom gelehrt, oder auch wol den Ton in der Malerei angege- 
ben. Denn in Venedig waren Tizian von Cadore, Paolo 
von Verona, J acopo aus Bassano ebenfalls ausheimisch, wer- 
den aber doch unter die Venezianer gezählt, weil sie diesem 
Gebiet angehörten, indem gewöhnlich Venezianer die Eingebore- 
nen der Hauptstadt, wie des Frcistaats heiscn. Dies kann 
man denn auch von den Päpstisehen sagen. Ausser den in 
Rom geborenen kamen auch Meister aus mchrern zubehörigen 
Städten dahin, welche, in Rom lehrend, die erste Folgereihe 
i 
3) Bei Bellori Vize de' pitlori acc. p. 1912 „Die LRömische 
Schule, worin R a ffael und M i che 1a n gel o rliq Ersten waren, 
hat die Schönheit der Standbilder zum Vorbild genommen und sich dem 
Kuustverfahren der Alten genähert." L.
        

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