Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287485
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Zweites 
Buch. 
Die 
Siener 
Schule. 
Giuseppe bildete sich zu Hause zwei Schüler. Er hatte 
einen Bruder, der Priester war, Antonio genannt, dessen 
Bildnis, als das eines guten Bildnismalers, unter denen der in 
Florenz gelobten Maler befindlich ist. Giuseppeh Sohn 
war der Ritter Apollonio Nasini, der in seiner Kunst 
weniger leistete, als der Vater, ihm jedoch auch in grössem 
Werken half, und einen ehrenvollen Platz unter den Zßliigß- 
nassen einnahm. Zur Zeit des Nasini lebte ein Gioseffo 
Pinacci, ein Siener, Schüler des Mehus in Figuren, und 
des Borgognone in Schlachten. Er war guter Bildnismaler 
und machte einiges Glück erst am Hof des Vicekönigs Carpio 
in Neapel, dann bei dem Grossherzog Ferdinand in Florenz, 
wo er einige Werke hinterliess. Sein grösstes Talent aber wal- 
Kunde und Verständnis der alten Maler. Niccolo Frau- 
ehini ist eben desswegen merkwürdiger, als wegen seiner Ma_ 
lerei. Daher er auch dem Pecci viele Nachweisungen zu sei- 
nem Wegweiser gab; „auch wegen seines Verzugs," sagt der 
Ritter, „ zerrissene Leinwandbilder herzustellen und ihnen ihre 
alte Vollkommenheit wiederzugeben , ohne einen Pinsel zu 
brauchen; wo die Farbe fehlt, ergänzt er sie mit andern Für- 
ben aus werthlosern Gemälden; eine Eriindung, die kein Ande_ 
rer gemacht hat." Ich begnüge mich, dies Verfahren enge- 
führt zu haben. Prüfen mögen es Andere! 7) 
Und hier schliesse ich die Siener Schule, setze aber zu 
ihrem Buhme hinzu, dass, wenn sie nicht Maler vom ersten 
Range zählt B), sie doch, hinsichtlich der Zeit, in der sie 
7) Eine solche Mosaik mag wol nicht gut ausfallen. Mit Kupfer, 
stiichen mag dies eher angehn, dass man aus mehreren zerrissnen 
Blättern ein Ganzes zusammensetzt; doch müssen die Drucke von 
gleicher Kraft seyn.   
8) Hier fügt Lanzi der Siener Schule grössres Ilnrecht zu, 3]. 
Vasari. Denn, wenn dieser der Florentiner Schule nur den Van 
zug einräumte, dass ihr Cimabue der Vater der neuen Kunst sei, 
was ihm vielleicht Guido da Siena llreitig machen kann, so in 
dies nicht so schlimm, als dass Lanzi ihr Maler vom ersten Bange 
nicht zngesfehen will. Wir finden in dieser Schule für die Zeit, wo 
sie lebten und wirkten, die grössten Meiter, wie z. B, Simon d; 
Martina, Lippo di Memmo, die Lorenzetti, Sodomn, 
Beccafumi und viele Andere, denen Lanzi selbst grosses Lob 
ertheilt. Dergleichen Missgriife entstehen nun eben aus der verglei- 
chenden Schätzung, die de Piles einführte. Ein jeder Genius muss 
vielmehr aus seinem eignen Miltelpunete beurtheilt werden. Q.
        

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