Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287465
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Zweites 
Buch. 
Die 
Siener 
Schule. 
Einige andere Maler dieses Volkstammes finde ich ülJSsgr 
dem Vaterlande: An tiüeduto Grammatlca, ein gebilde- 
ter Maler, stammte voh einem Siener Vater, und arbeitete in 
Rom, wo er die erste Sitzung der Akademie des heil. Lucag 
hielt. Zwar ward er davon ausgeschlossen, weil er versucht 
hatte, einem Herrn RaffaePs heiligen Lucas zu verkaufen 
und eine Copie von seiner Hand dafür aufzustellen. In dieser 
Kunst, besonders Köpfe zu copiren, hatte er ein besonderes 
Talent; daher er auch in Bildnissen stark war. Wiewol man 
keinen andern Meister von ihm kennt, als einen Domenico 
Perugino, der damal kleine Bilder auf Kupfer malte F), so 
fand er doch Beifall in grossen Werken. Eine Verkündigung 
von höchst lebhafter Farbe befindet sich bei den lncurabili, 
und in verschiedenen Kirchen mehrere andere Bilder. Er starb 
in Rom im Jahre 1626. 
Zweiandere, vielleicht ihrem Vaterlande unbekannte Künst. 
lcr haben mir ihre Unterschriften entdeckt. In S. Maria 
degli Angioli unter Assisi las ich in einem Speisesaal; 
Franciscus Antonius Senensis 1614, oder um jene Zeit 
Der Styl hat etwas Baroccisches, so dass man ihn für einen 
Schüler Vanni's, oder SalimbenPs halten kann, und zwar 
nicht für denvLetzten dieser Schule, da er die Kunst, Gemüths- 
bewegungen darzustellen, in nicht geringem Grade besass. Die 
Figur des fortgehenden Judas ist das Bild der Verzweiflung; 
hoch lnhcnswerther wär' es, hätte er nicht die Fledcrmausfüsse 
dazu gesetzt; eine groteskenartige Sonderbarkeit! ln derselben 
Umgegend, in einer Kirche zu Foligno, las ich unter einer 
heiligen Familie den Namen Marcantonio Grecchi von 
Siena und das Jahr 1634. Der Styl ist gediegen, ausdrnckg- 
voll, correct, dem Tiarini von Bologna ähnlicher, als einem 
5) In Perugia kennt man ihn nur dem Namen nach. Dennoch 
hat man in Ascoli ein Gemälde in der Kirche S. Angelo Magno ihm 
zuschreiben wollen, wo Johannes der Täufer von Lazzeri in sei. 
11er Asbnli in praspetlivn einem Giandnmenico da Perugig 
beigelegt wird, dinä Landschaft aber dem Giov, Fruncesco d; 
Bologna, d. h. Grimaldi, Die Figur ist, nach OrsinPs B9- 
merkung, Guercinisch; daher ich nicht weiss, wie dieser und M3- 
riotti (S. 273.) nicht sehen konnten, dass dies Bild von Giando- 
menico Cerrini da Perugiu. seyn musaße, einem Zeitgenossen 
Grimaldiw" und Guercincvs, nicht aber jenes Kupfermalerz 
Domenico, der ein Jahrhundert früher lebte. L.
        

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