Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287428
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Zweites 
Buch. 
Die 
Siener 
Schule. 
anderer lange von Barocci selbst Gebildeter, diesem seinem 
Vorbilde sich genähert hat. Sehr gelobt wird in seiner Vater- 
stadt diebVermühlung der heil. Katharina im Refugio mit ei- 
ner Menge Engel; die Madonna unter mehrern Heiligen für 
die Kirche der Monna Agnese; der heil. Raimondo, der auf 
dem Meere wandelt, bei den Dominicanern, welchen Einige, 
für das Beste in Siena halten, wo es häufig zu sehen ist. Zu 
Pisa in der Primaskirehe zählt man unter die schönsten Bil- 
der den Streit über das Sacrament, im Wetteifer vom Ritter 
Ventura dem Bruder gemalt, der an diesem Engelaltar sieh 
selbst übertroffen hatte. In der Umiltzi zu Pistoja, bei den 
Camaldnlensern zu Fabriano, bei den Capueinern di S, Qui_ 
rico sind auch einige seiner ausgesuehtesteil Werke, und übel; 
haupt auch anderwürts so viele, dass sie, glaube ich, nie vou_ 
ständig verzeichnet sind. ln den meisten folgt er, wie gesagt, 
Barocci genau. Knnstlicbhaber verwechseln ihn in Kirchen 
und Bildersammlungen oft mit Barocci, hauptsächlich durch 
Colorit und die Kinderköpfe getäuscht, die von Einem Gepräg 
cheinen. Wer jedoch Federigo genauer kennt, bemerkt 
an ihm eine grossartigere Zeichnung und eine grössere Frei- 
heit des Pinseln. Vanniw wohlfeile und unileissige Bilder, 
wie deren Siena manche hat, möchte man schwer für die gei- 
nigen halten. 
Durch Muster und Unterricht Vanniis blieb in Siena 
die Malerei lange in Ehren. Er führte viele Jünglinge dazu 
an, die jedoch seinen Styl nicht, oder mindestens nur hart, 
annehmen, weil sie sie sich, wie es zu gehen pflegt, nach dem 
letzten Meister von Ruf wendeten, mithin die Mode nxitmach- 
ten.. Beginnen wir mit seinen zwei Söhnen, denen er die in 
der Kunst geehrtesten Namen gegeben hatte! Den erstgebor- 
neu, Michelangiolo, haben wir schon als Erfinder des 
Marmorfzirbens gelobt; ausserdem aber ward er nicht sehr 
berühmt. Ich weiss nicht, dass er Siena verlassen, und 
dort sieht man, ausser einer die Messe lesenden Katharina mit 
dem Erlöser, die für die Olivetaner gemalt wurde, nicht viel 
von ihm. Raffael, der zweite im dreizehnten Jahre ver- 
waisete, ward dem Antonio Caracci empfohlen und machte 
in dieser Schule solche Fortschritte, wie Man cini sagt, dass 
er den Vater übertraf. Aber die Nachwelt sagt nicht so.
        

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