Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287308
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Zweites 
Buch. 
Die 
Siener 
Schule. 
dig, oder Bologna anfiihre, so bemerke man, dass an Umfang 
der WVerke Andere ihn übertroffen haben, an Vollendung Keiner. 
Nach ihm lobt man in Sieua hierin Meister Ri cc io , der einige 
Zeit sein Schüler war, wiewol er später hinsichtlich der F1. 
guten seinem Schwiegervater nachtrat. 
Was Bald assare in Grottesken gewesen, sieht man in 
Siena besser, als in Rom. Diese Gattung von Malerei, immer 
die Ausgeburt eines wunderlich launenhaftcn Geistes, konnte 
weder dem Mecherino, noch dem Sodoma misfallen; beide 
übten sich darin mit Glück. Der zweite schien dazu geboren, 
sie zugleich zu entwerfen und mit der Leichtigkeit eines Steg- 
reiflers auszuführen. Er malte dergleichen im Vatican und 
Raffaelen gefielen sie so, dass er sie nicht, wie seine Fi- 
guten, ausstreichen mochte. Auch zu Monte Oliveto lieferte 
er sehr witzige, gleichsam aus seinem Hirn abgespiegelte. 
Cristofvoro Rustici und Giorgio da Siena hatten 
darin auch einen grossen Namen. Keiner aber von diesen 
glich dem Peruzzi. Er, der Anmuth in all' seine Werke 
goss, war in Grottesken am anmuthigsten und behauptete i" 
der Freiheit, welche ein Gemälde, das ganz Laune ist, eim 
flösst, noch eine Haltung, welche Lom azzo studirte, um Ge_ 
setze daraus zu ziehen. Alle Vorstellungen dienen ihm, Saty- 
ren, Masken, Kinder, Thiere, Ungeheuer, Wohnungen, Ptlan- 
zen, Blumen, Gefüsse, Leuchter, Laternen, Waffen, Blitze; 
aber wo er sie anwendet, in den Handlungen, die er darstellt, 
und im Uebrigen ziigelt er die Laune stets durch die Ver- 
nunft. Er wendet und verbindet diese Bilder _mit wunderbarer 
Symmetrie, und braucht sie wie Embleme und Symbole der 
'l'haten, welche sie umgeben. Kurz, dieser Mann in der besten 
Zeit der wiederauferstandenen Kunst ist ein für die Kunstge. 
schichte höchst anziihender Gegenstand. Er unterrichtete viele 
in der Baukunst, wenigrre in der Malerei: einen Frau cesgu 
aus Siena und einen Virgilio aus Rom, die Vasari eini- 
ger Wandgemälde tragen lobt, und die zuweilen bei Grottesken 
von unbekannter Hand genannt werden. 
Etwas später, und gewiss vor Wiederauflebung der Ma- 
lerei in Siena, setze ich einen Frescomaler, welchen Baglione 
und Titi Matteo da Siena nennen, die Mitbürger aber 
Matteino, um ihn nicht mit dem alten Matteo des vier-
        

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