Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287262
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Zweites 
Buch. 
Die 
Siener 
Schule. 
Daniel in einigen Werken hat. Bei all' dem gehe ich von 
dem Grundsatze nicht ab, dass man in so zweifelhaften Fällen 
nicht leicht die Geschichte verlasse. Jeder blaler war in der 
Wahl des Styls stets frei, und konnte vom Meister auf einen, 
von einem Genius aber, oder irgendwie zusammentreffenden 
Umständen auf einen andern Weg geleitet werden. 
Baldassare Peruzzi ist einer von den vielen, deren 
Verdienst nicht nach ihrem Geschick gemessen werden dm-f_ 
Arm geboren im Sprengel von Volterra, aber im Kirchen- 
staate und von einem Siener Vater"), wuchs er in Dürftigkeit 
auf, und war im Leben stctem Unglück unterworfen; Neben- 
buhlern naehgesetzt, weil er bescheiden und schüchtern war, 
wie sie anmassend und unverschämt; bei der Plünderung Rom); 
seiner ganzen Habe beraubt; gezwungen mit wenig Sold bald 
in Siena, bald in Bologna, bald in Rom zu leben"), starb 
er, als er bekannt zu werden anfing, man vermuthet durch 
Gift, und mit dem Schmerz, eine Frau und sechs Kinder fast 
als Bettler zu hinterlassen. Sein Tod enthüllte der Welt die 
Grösse seines Geistes besser, als sein Leben, und seine Gl-alb 
sehrift, die ihn fast den Alten vergleicht, hallt die Nachwelt 
nach. Allgemein wird er unter die besten Baukünstler seiner 
Zeit gerechnet; und würde auch für einen grossen Maler geh 
ten, wenn er so guter Colorist, als Zeichner gewesen, und 
gigh gleich geblieben wäre, was er in einem so drangalvollem 
Leben nicht immer konnte. 
Nachdem Pernzzi den ersten Unterricht, man Weiss 
nicht, welches Meisters, in einer l-leimath genossen," ging e, 
unter Alexander VI. nach Rom, sich dort zu vervollkommnen_ 
Er kannte, bewunderte und ahmte Raffael nach, zu dessgn 
Schüler ihn Einige machen, besonders in einigen heiligen Fa- 
milien"'). Sehr näherte er sich ihm aber in einigen Fresco- 
15) So beweisen äie Siener Schriftsteller gegen Vanari, der ihn 
zu einem Florentixier macht. S. Lett 8612, T0. III. p. 178. 
16) Von Seiner Arbeit im Dom zu Sienn hatte er jährlich_30 Scudi, 
vom Bau der Peterskirche 250. Blinzelne Aufträge trugen Ihm Wenig 
ein; denn meistens mix-brauchte man seine Bescheidenheit, und be. 
zahlte ihn gar nicht, oder kärglich. L. 
I7) Eine sah ich bei Cavaceppi in Rom, von welcher dieser graue 
Kenner zu nagen pflegte, man könnte nie für Raffaelisch halten, 
wenn sie im Colorit ihm lu ähnlich wäre, wie im Uebrigen. Ein.
        

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