Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287239
Zweiter 
Zeitraum. 
Maler in 
Auswärtiga 
Siena. 
289 
wonnen und so von seinem ersten Styl abgekommen. Und in, 
der That, als er stark und kräftig seyn wollte, ward er 
nicht selten schwerfällig und plump in der Haltung der Figu- 
ren, nachlässig in Händen und Füssen, roh in den Köpfen. 
lm Alter nahm dieser Fehler zu, so dass die damals gemalten 
Köpfe dem Vasari Fratzen schienen. 
Sein Colorit ist nicht das wahrste, weil er es mit einem 
röthlichen Schein verkünstelt, der freilich bezaubert und erhei- 
tert; doch ist es reinlich, leuchtend, auf eine Weise aufgetra- 
gen g dass es an Wänden sich noch jetzt äusserst gut erhält. 
Wenig ist von ihm in Genua, wo Prinz Doria ihn in seinem 
Palast malen liess; nicht viel in Pisa; seine Heimat aber ist 
reich an öffentlichen und Privatbildern; In Wasserfarben lei- 
stete er mehr, als in Oel, und mehr als andere Bilder em- 
pfahlen ihn seine Wandbilder. Er Weiss sie so bewunderns- 
würdig räumlich zu vertheilen und den Bauten anzupassen, mit 
Grottesken und Einfassungen zu verzieren, dass man weder 
vergoldete Gypsarbeit, noch andere Kunstversehwendung ver- 
misst. Sie sind so glücklich erfunden, dass, wer die That- 
saehen weiss, wenn er sie einmal gesehen, sie leicht sich zu- 
rückruft. Er behandelt sie geistreich, würdig und lebensfrisch, 
ertheill: ihnen Grossartigkeit durch Fernsichten und Anmuth durch 
alterthümliehen Brauch. Endlich gefällt er sich auch ausneh- 
mend in einigen tiefer liegenden und damals weniger bekann- 
ten Kunstzügen, wie gewissen Feuer- oder Liehtwiderschei- 
nen, manchen schwierigen, besonders fernscheinigen Verkür- 
zungen, die damals in Unteritalien etwas sehr Seltenes waren. 
Vasari beschreibt weitläufig das Bild der Gerechtigkeit, wel- 
ches an den Fiissen sehr dunkel gehalten, stufenweise bis zu 
den Schultern sich aufhellt und mit einem glänzenden, fast 
himmlischen Lichte schliesst. Man kann sich, sagt er, keine 
schöner abgestufte und abklingende Figur denken, geschweige 
denn sehen. Pflichtet man diesem Urtheil bei, so wäre Me- 
cher ino in diesem so schweren Theile der Malerei gleichsam 
der Coreggio Unteritaliens; denn keiner der Neueren vor 
ihm hatte so viel gewagt. Die eben genannte Figur malte 
er an der Decke des Geriehtsaales der Herren, und darunter- 
noch mehrere Rund- und Quadrutbilder, deren jedes eine 
denkwürdige That eines Freibürgers enthält. Einen ähnlichen 
l. Bd. T
        

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