Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283985
XXXII 
Üeber 
Lanzfs 
Kunstansiclzt. 
subjectiv und individuell bedingt sind, so dass man nicht 
von dem Einen Ausdruck, von dem Andern Anmuth und 
"von einem Dritten Wahrheit entlehnen kann, so führt 
dies schon an sich zu einem Wählen ohne eignes Urlheil 
und Gefühl, Wodurch alle Freiheit unterdrückt, aller Geist 
eingeengt wird, und wodurch auch Lalnzi verführt wurde, 
solchen Künstlern den Ehrennamen Eklektiker beizu- 
legen. S0 haben wir es uns denn zu erklären, wenn 
Lanzi an Künstlern rühmt, dass sie Andere trefflich 
nachgeahmt und ihre Manier sich angeeignet hätten, und 
wir dürfen daher auf solches Lob nicht allzugrosses Ge- 
wicht legen. Auch verleiten diese Grundsätze zu ver- 
gleichenden Urtheilen, wie denen der d e Pileschen Wage, 
und Mengs selbst verfällt in diesen Fehler, indem er 
andrerseits sich zu entschuldigen sucht, dass es scheinen 
könnte, als hätte erldie grossen Meister herabgesetzt, 
indem er dem einen diesen, dem andern jenen Vorzug 
beigelegt. Manchmal hatte auch der Eine durch Nach- 
ahmung der Natur die besondern Vorzüge des Andern 
erreicht. Er sagt S. 74: "Daher kommt es, dass Ratl- 
fael manchmal gleichsam so anmuthig wie Coreggio 
gemalt hat, und so wahr wie Tizian, Coreggio eini- 
gemal gleichsam so gut, wie Raffael und so wahr, wie 
Tizian und manchmal hat Tizian wie Raffael ge. 
zeichnet, und ergetzt wie Coreggio." 
Das Nachtheiligste aber ist gewiss, wenn man sich dem 
vergleichenden Urtheile hingiebt, dass man dadurch abgezo; 
gen wird, in die Wesenheit eines jeden Genius einzudrin- 
gen und sich gewöhnt, nur an äussern Merkmalen, an 
Merkmalen der Verschiedenheit der Arten, zu haften. 
 Der zweite ernstere und liefere Geist, dessen wir schon 
erwähnten, war Winckelmann; ein Mann, der, mit ge- 
lehrten Kenntnissen ausgerüstet, sich die Kunstwerke des 
Alterthums zum Gegenstand seiner Studien wählte. Was 
ihm an technischer Erfahrung abging, ward reichlich durch 
ein tiefes Gefühl für das Schöne und eine lebendige 
Einbildungskraft ersetzt, Womit er Alles umfasste, was 
im Gebiet der Kunst und Natur sich ihm darbot. Dies 
beweist seine Beschreibung des Torso im Belvedere
        

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