Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287147
280 
Zweites 
Buch. 
Die 
Siener 
Schule. 
das noch dort befindliche schöne Mauerbild gemalt, die Krü- 
nung der Maria, welches dem Styl Simone's nahe kommt, 
in Manchen: noch besser ist. In der Kirche zu Pienza ist ein 
minder schönes Holzbild von ihm. Lorenzo di Pietro, il 
Vecchietta genannt, war tüchtig in Bildnerei und Bronze- 
guss, wovon bei Vasari zu lesen; in der Malerei scheint er 
weniger treiiiich, und im Styl etwas hart, wie man aus seinen 
Wenigen in Siena nachgelassenen Bildern sieht; denn Pienza 
hat jetzt keine von ihm. Ein Holzbilr? von ihm ward vor 
kurzem von der Mediceischen Gallerie angekauft. Es ist vqn 
1457. Giovanni di Paolo nimmt ich in Pienza gut aus, 
besser noch in einer sechs Jahre später in der Osservanza von 
Siena gemalten Kreuzabnahme, wo die Fehler des Jahrhunderts 
von ungemeinen Gaben, besonders einem hinlänglichen Vcr- 
ständnis des Nackten, aufgewogen werden. 
Matteo di Giovanni war damals Jüngling, übertraf 
aber alle an trelilichen Anlagen des Geistes. Dies ist der Mat- 
teo da Siena, den Einige den Masaccio seiner Schule neu- 
nen; wiewol er, die iWahrbeit zu sagen, gar fern von ihn 
ist. Seinen neuen Styl lernt man zuerst kennen vorzüglich 
aus einem der beiden Bilder im Dom. Er verbesserte ihn 
nachher in andern für Siena gearbeiteten, zu S. Domenico, zu 
Madonna dellai Neve, und in etlichen andern Kirchen. Er 
war der Ersten Einer, der die Neaplcr Schule zu einem neuen 
Geschmack aufregte. Da er in Oel malen gelernt hatte, so 
gab er seinen Figuren viel Weichheit, und da er mit Gior- 
gio 33), einem berühmtena Baukünstler, vertraut umging, so 
ersann er schöne Bauten und verzierte sie immer anders und 
sinnreich mit runden und andern Basreliefs. Auch die" Ebenen 
verkürzte er gut, warf die. Gewänder natürlicher und weniger 
gemein, als seine Zeit, ertheilte den Gesichtern, wenn nicht 
eben Schönheit, doch Abwechselung und Ausdruck, und deu- 
tete an den Körpern verständig Muskeln und Adern an. Ei- 
gab nichts darauf, immer mit neuen Erfindungen zu prunken; 
vielmehr, als er einen Kindermord, sein am meisten gelobtos 
917? 
32) Er war auch guter Bildhauer und Maler, aber von wenig Ruf, 
Ich hab; nur eine _Krippe von ihm gesehen, tlvorin er Manlegna 
vor Allen nachahmt. Sie befindet sich in der Sammlung CiaccherPs, 
der über diese Schule viel Auskunft geben kann. L.
        

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