Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287091
Zeitraum. 
Erster 
Die 
Alten. 
275 
nach Anleitung der Kirchengeschichte die verschiedenen Ue. 
bungen dieser Einsiedler dargestellt sind; meines Erachtens, 
das gedankenreichste, neueste und bestgedaehte Bild, das man 
dort sieht! Ein Abbild davon ist auf der k. Gallerie zu Flo- 
renz, wenn es nicht Wiederholung des Künstlers selbst ist; 
der Geschmack in den Tinten wenigstens ist sicher nicht der 
der Florcntiner, sondern der damaligen Siener Schule. 
Nachdem die Malerei in Siena diese Höhe erreicht hatte, 
musste sie auch wieder zurückgehen, theils weil auf bessere 
Zeiten immer Zeiten knechtischer Nachahmung und eiliger 
Handwerksmäissigkcit folgen, theils wegen der furchtbaren 
Pest von 1348, welche Italien und Europa verheerte und in 
jeder Schule treillichc Meister und Jünger dahin raffte. Siyna 
verlor damals seine Lorenzetti nicht, die es noch einige 
Jahreschmückten; wenn es aber einmal an 75,000 Seelen 
zählte, so hatte es nachher weit weniger. Dennoch hatte es 
bald nachher wieder soviel Maler, dass man es beinah mit 
Florenz selbst vergleichen könnte. Soviel. ergiebt sich aus 
den Znnftsatzungen der Siener Maler, die P. della. Valle im 
16. Br. des ersten Bandes bekannt gemacht. Sie sind mit der 
Einfalt, Klarheit und Bestimmtheit abgefasst, welche die Schrift- 
steller des l3ten Jahrhunderts charakterisirt; und es sind dar- 
in sehr schöne Maasrc-geln für die guten Sitten der Künstler 
und die Ehre der Kunstt Man sieht, es waren gebildete und 
wohlerzogene Leute in dieser Gesellschaft; und zu vcrwundern 
ist nicht, da Siena damals eine Volksherrschaft war, das der 
Freistaat seine ehrenvollsten obrigkeitlichen Personen zuwei- 
len aus der Malergilde nahm. Es war eine bürgerliche Kör- 
perschaft, nicht eine blosse Verbrüderung, noch Zeichnenakade- 
mie, und ward nicht vom Bischof, sondern von der Stadt, 
oder dem Freistaate im Jahr 1355 genehmigt. Man hat ver- 
muthet, dass diese Satzungen vom vorigen Jahrhundert an vor- 
handen gewesen und aus dem Latein um 1291 in das Italische 
übertragen werden, weil Tizio zu diesem lJahre sagt: slatuta 
materna lingua edim samt ad amöiguitates tollendas. Aber 
Tizio musste von den Satzungen der Wollweberzunft und 
andern ehreiben, und die der Maler konnten wol später ge- 
macht seyn. Und in der That scheint die Art ihrer Abfas- 
sung, ohne auch nur ein Wort von frühem Verordnungen fal-
        

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