Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1286845
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Florentiner 
Schule. 
Fünfter 
Zeitraum. 
ganz das Werk einheimischer Geister. Sie sahen auswärtige, 
Meister, hörten sie aber nicht; auch konnten sie keinen frem- 
den Styl annehmen, ohne ihn eigenthümlieh und auf eine neue 
Weise umzubilden m). 
 Zur Empfehlung der jetzt Lebenden und Lehrenden könnte 
ich Vieles sagen  Ich habe mir aber vorgenommen, auf das 
Verdienst mitlebender Maler nicht einzugehen, sondern das [In 
(heil ganz der Nachwelt anheimzustellen. In andeiyi Künsten 
als der Malerei, erlaube ich mir etwas mehr Freiheit, doch 
selten. Ich darf wol hinzufügen, dass diese Künstler dreissig 
Jahre lang eine für die Künste höchst glückliche Regierung g-e_ 
nassen haben. Die letzten Fürsten des Mediceisehexi Sfümmeg 
hatten mehr guten Willen, als Thütigkeit gehabt; und die 
L 
10) Lanzi scheint hier ganz zu vergessen, dass er Florentinel. 
oft, wegen Befolgung Venezianer, Römisvllßl" und Lßlllbßrdlschßl" Mei- 
81er, oder auch Bildung nach ihnen rühmt, wenn sie dieselben auch 
nicht erreicht. Q- 
l1) So musste ich in der frühern Auflage schreiben. Hier kann 
ich frei Tommaso Gherardini, einen Florentiner, Schüler des 
Meucci, nennen und loben, der auch in der Venezianer und Bo_ 
lognescr Schule seine Studien machte, und in Basreliefs und Hell- 
dunkel sehr brav war. Er malte einen grossen Saal der k. Mefllceix 
scheu Gallerie auf Kalk; Vieles auch auf Leinwand für die kaiggl-L 
Gallerie in Wien, wie für Deutsche, Englische um]  Herreyh 
Auch in geschichtlichen Fresken war cr für seine Zeit stark. E1. 
malte dergleichen in vielen Palästen und Landhäusern edler Flnrem 
liner; am besten da, wo er nach seiner Neigung und in kräftigen 
Jahren arbeitete; wie den Parnass in Toscana in dem Hause luan 
telli, welches ihn von Kindheit auf heschülzte, und in den Häusem 
Ricciardi und Ambra. Er starb 1797, und der Ralhsherr Ball Nic_ 
colb lllartelli, der, als sein Oheim, der Flrzbischof, und sein Vater 
Ball gestorben war, ihn noch immer beschülzte und unterstützte, sieh; 
ihn als einen Schützling an, der seinem Hause um meisten Ehre ge_ 
macht, wiewol deren, nach Donatello, gar Viele waren. Auch 
will ich hier nicht den Meister der Akademie, Pietro Pedro ni, 
einen Ponlremoleser, übergehen, einen verdienten Maler in Qe], 
den man aus vier nach seinen Studien in Parma und Rom gefertig- 
ien und in einen Geburtsort gesendeten Bildern keimen lernen kann; 
denn in Florenz arbeitete er wenig und ungern, wegen Kriinklichlreit 
und vieler Kränkungen, die er durt erlebte, und nicht auf die in 
solchen Fällen immer" beste Weise, nämlich durch Reisen, vermeiden 
konnte. Das gerechte Publicum lindet in ihm, wo nicht einen sel- 
tenen Maler, doch einen vorzüglichen Lehrer, gleich kundig der 
Theorie, wie liebenswürdig und heredsam in der hlitlheilung. Von 
seinen Schülern wird die Geschichte des künftiger: Jahrhunderts freier 
sprechen, als ich. Ihr Gedeihen, ihre Anhänglichkeit und Achtung 
sind eine beste Lubrede für die Nachwelt. L.
        

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