Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283940
XXYIII 
Ueber 
Lanzfs 
Kuustansich t. 
schreibt, wie man sichtzum guten Künstler zu bilden habe, 
indem man von den besten Künstlern das Beste nehme, 
etwa, wie nach einer von Cicero nachgebeteten Kunst- 
anekdote Zeuxis die schönsten Theile der schönsten Kro- 
tonischen Mädchen zum Vorbild seiner Helena genommen 
haben sollte, ging von Munde zu Munde, und viele folg- 
ten diesem Rathe, ohne zu bedenken, dass doch eines je- 
den Meisters Kunstcharakter ein solches innig einiges 
Ganze ist, dass man nicht von dem Einen die Zeichnung, 
und von dem Andern die Färbung annehmen kann, sondern 
dass Farbe und Form in einem Bilde gegenseitig bedingt 
und in der Einheit der Anschauung übereinstimmend ver- 
bunden und Eins sind.  
Dies war jedoch nichtdie einzige in Umlauf gesetztelrr- 
lehre. Tausend gleich grund- und haltlose Meinungen Wur- 
den kurz vor Lanzi, und zu seiner Zeit ausgesprochen; 
und wer sich mit einigen der beliebtesten bekannt machen 
will, kann solche in den Lett. pitlor. finden. Es sind Ver- 
suche ohne Philosophie, ohne Principien zu philosophiren, 
und wenn man gefragtwird, was man gelesen hat, so kann man 
mit [Iamlet antworten: Worte, Worte, nichts als Worte! 
Der Bar. v. Rumoltr hat im ersten Tlteile seiner Ita- 
lienischen Ibrscletelzgen mehrere dieser Kunstmeinungen be- 
leuchtet und widerlegt, und wiirde sich dadurch allerdings 
ein Verdienst erworben haben, wenn er nur nicht Wieder die- 
sen bestrittenen Meinungen die Ehre, den Philosophen und 
der Philosophie selbst aber die Schmach arigethan hätte, jenes 
schriftliche Kunstgeschwätz der Lellerepilloriclze und dem 
Aehnliches, für Kunstansichten derPhilosophen auszugeben. 
Denn als Bodensatz lagen diesen Meinungen doch die 
Schriften von Jllonsieur d e Pi l es zu Grunde, der die selt- 
samsten Behauptungen aufgelesen und mit einem Schein von 
Wichtigkeit vorgetragen hatte. D e Pi l es nämlich fordert 
von der Malerei Wahrheit und Wirkung, was freilich recht 
verständig klingt, nur dass er unter Wahrheit bloss bis 
zur Täuschung getriebene Nachahmung des Wirklichen, 
unter vrai ideal nur Nachbildung des Auserlesenen, und 
unter Wirkung bloss Üeberraschung beim Anblick eines 
Cenxäldes und Unterhaltung des Beschauers versteht, dies
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.