Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1286662
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Floreminer 
Schule. 
Fünfter 
Zeitraum. 
nung durch Copiren der alten Basreliefs und der Helldunkel 
des Polidoro, der ganz altertbümlichen Geistes gewesen zu 
seyn scheint. Man sagt, die 'l'rajanische Säule sei sein lieb- 
stes Muster gewesen, und daher habe er die nicht gar schlau- 
ke-n Verhältnisse, das Starke und Rüstigderbe an Frauen m- 
gar und Knaben, welchen er Augen, Nasen und Lippen über 
das Mittelmässige hinaus malte; der Hände und Füsse nicht 
zu erwähnen, welche allerdings sich auf Niedlichkeit nichts zu 
gute thun dürfen. Aber den Contrast, worin er sich von Allen 
unterscheidet, d. h. den Gegensatz von Gruppe gegen Gruppe, 
Figuren gegen Figuren, Theilen gegen Theile, scheint er von 
Lanfranc0, und zum Theil von den Urnen mit Bacchanalien 
zu haben, welche namentlich Passeri in seinem Leben er- 
wähnt. Auch die Venezianer Schule konnte wul dazu beitra- 
gen; denn als er dort studirt hatte und nun nach Rom zu- 
rückkam, malte er Alles, was er im Palast Barberini gcarbei- 
tet hatte, um, wenn wir Boschini glauben dürfen, der die 
Seinen verschwenderisch lobt. Ucbrigeus vollendet er gewöhm 
lich nur, was mehr auffallen sollte, vermeidet die starken 
Schatten, liebt die Halbtinten und minder hellen Gründe, er), 
lorirt ungesucht, und ist Erfinder und Haupt eines Styls, den 
Menge leicht und geschmackvoll nennt. Er wendete ihn mit 
Beifall in Gemälden von jeder Grösse an; aber in den gmss, 
räumlichen, noch mehr an Decken, Kuppeln, Vertiefungen, 
trieb er ihn zu einer Lieblichkeit, welche stets Bewunderer 
und Nachahmeriinden wird. Diese richtige Vertlieilung, welchg 
er, von der Baukunst unterstütztncinen Bildern 'giebt; dies; 
kunstreiche Steigerung, wodurch er über den Wolken noch 
die weiten Lufträume zur Erscheinung bringt; diese Gewalt in 
der Perspective, dies fast himmlische Spiel "des Lichts, diese 
symmetrische Anordnung der Figuren bezaubern das Auge und 
erheben den Geist über sich selbst. _ 
Ein solcher Geschmack zwar befriedigt den denkenden 
Beschauer nicht immer gleichmiissig; denn weil er das Auge zu 
gewinnen trachtet, führt er auch Inüssige Figuren auf, damit 
es dem Ganzen nicht an der herkömmlichen Fülle gebreche, 
und, um dem Gegcnsatze zu fröhncn, müssen sich die Perso- 
nen in den ruhigsten Handlungen, wie in einem Kampfsplcle, 
oder einer Schlacht, gebärden. Bcrrcttini, von Natur mit
        

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