Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1286480
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Florentiner 
Schule. 
Vierter Zeitraum. 
werden. Carlo ist weniger seiner Schönheit wegen berühmt, 
da er, wie sein Meister, ganz Naturalist ist, als durch seinen 
ausserordentlichen Fleiss, womit er alles ausführt, und wegen 
des wahren Ausdrucks zarter Regungen. So der geduldige 
Schmerz Christi, oder Mariens, die Reue eines büssenden Hei- 
ligen, die Freude eines Martyrers, der sich dem lebendigen 
Gott zum Opfer beut. Mit diesem Ausdruck des Gefühls stimmt; 
das Colorit und der Hauptton der Bilder, in welchen nicht; 
Lautes, oder Kühnes ist, sondern alles Bescheidenheit, Ruhe, 
sanfter Einklang. In ihm ist, nur vollendet, ganz Rossel- 
li's Weise, wie in den Enkeln zuweilen das Gesicht des Grosg- 
Vaters. Grosse Bilder sind wenig von ihm übrig, wie der hei[_ 
Antonius im kön. Museum, die Empfiingniss Mariens bei den 
March. Rinuccini, die Evangelisten bei den March. Riecardi; 
wenig auch von weltlichen Gegenständen; einige Bildnisse, und 
das gepriesene Bild der Poesie im Palast Corsini. Seiner klei- 
nen Bilder, für deren jedes er gewöhnlich 100 Scudi bekam, 
sind sehr viele, von ihm selbst vielmals wiederholt, aber auch 
zuweilen von Alessandro Lomi, oder Bartolommeo 
M a n ei ni, seinen Schülern, oft auch von seiner Tochter 
Agnese, einer guten Malerin, die in ihres Vaters Style aß 
beitete, ihm jedoch nicht zu vergleichen ist. Die beiden Ma_ 
donuen, die der Fürst hat, und das Martyrthum des heil. An- 
dreas der Mareh. Gerini sind oft copirt worden I4). 
Von Gar-la's Vetter und Schüler, Onorio Marinari, 
sind nicht wenig Gemälde zu Florenz sowol öffentlich, als in 
Privatsammlungen. Nachdem er eine Zeit lang dem Meistm- 
nachgeahmt, was die erste Uebung angehender Maler zu seyn 
pflegt, und oft wegen der verschiedenen Anlage ihr erster Scha- 
den isit, bildete er sich auf eigene Weise einen zweiten groß- 
artigern, idealem und breitem Styl, wovon Proben in S. Ma- 
14) Carlo Dolce gehört noch immer unter die bessern Künstler 
des 17, Jahrhunderts. Er gewann mehr durch Anmuth und Milde des 
Ausdrucks seiner Bilder, als dass er durch übertreibende, carikirende 
Nachahmui1g'g1'0sser, ihm unerreichbarer Meister um das Klänge- 
fallen der Menge gebuhlt hätte; und wenn seine ihm ganz eigem 
thümlichen zarten und innigen Bilder nicht Bewunderung erregen, so 
erscheinen sie uns doch sehr liebenswürdig. Die besten Stiche nach 
ihm sind von Raffael Morghen ein Christus, und eine Madonne 
von E, He". Q.
        

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