Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1286088
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Florentiner 
Schule. 
Dritter 
Zeitraum. 
mer sehr nützlich vorgekommen; nur miisten sie wie die der 
Caracci seyn, welche ich bei der Schule von Bologna be- 
schreiben werde. Jetzt kehre ich zu der Florentiner zurück. 
VasarPs Zeitgenossen waren Salviati und Jacopo 
del Conte, die auch mit Andrea del Sarto und Bron- 
zino, Pontormo's Schüler gelebt hatten, aber, wie Gior- 
gio, von ihrem Geiste getrieben wurden, Michelangelo 
nachzuahmen. Francesco, de, Rossi, der vom Zunamen 
seiner Gönner de" Salviati genannt wurde, war Vasarißg 
Mitschüler bei Andrea del Sarto und Baccio BandinellL 
Er war ein treiilicher Bildhauer, und pflegte diejenigen, welche 
sich auf Malerei legten, in der Zeichnung zu unterrichten; 
einer Kunst, der er zuweilen zum Zeitvertreib oblag, wie 
Verrocchio. Da sich nun Salviati zu Rom mit Gier- 
gio sehr befreundet, ja. beinah verbrüdert hatte, so trieb er 
auch dieselben Studien , und nahm im Wesentlichen seine 
Grundsätze an. Er wurde endlich ein sehulgerechterer, gröh 
serer und seelenvollerer Maler, und Vasari selbst preiset ihn 
jungen Leuten eine Manier beibringen, durch welche der Mangel an 
Gründlichkeit ich versteckt, wenn junge Leute nur erzogen werden, 
um sie dem Tode des Ugolino zu weihen, und die Professoren die 
Gemüther der jungen Künstler. wie Prokrustes die Wanderer, mi3_ 
handeln, so sind Akademien schädliche Anstalten. Ein unbedingtes 
Urtheil ist also nicht möglich. Da jedoch letztere Voraussetzungen 
leichter möglich sind, als erstere, weil Vollkommenheiten seltener 
angetrotfen werden als Mängel, und der aus diesen entstehende Ngch_ 
theil weit grösser ist, als der Nutzen selbst guter Kunstakademie", 
indem auch ohne solche treflliche Künstler gebildet werden könnten 
und weit mehrere gebildet worden lind, als durch Akademien, so 11h 
ben sich sehr viele Stimmen mit Grund gegen diese Art von Kllng{_ 
attstalten erhoben. Zieht man die Kunstgeschichte zu Rathe, so sieht 
man wol, dass Akademien entstanden, als ein ltlultgel an grüssen 
Meisterin eintrat und zugleich an grosseit Kuitstunteritehtxiungen, Welche 
Gelegenheit zur Ausbildung gaben. Treten aber ausgezeichnete Kümg; 
ler hervor und werden diese durch Ausführung grosser Kllllslunter_ 
nehmungen beschäftigt, so sammeln sich sogleich um diese wach-q 
Schüler; jeder wählt sich seinen Meister nach seinen innern Anlagen 
und jeder bildet sich eigenthümlich und durch Thiitigkeit aus, die 
Akademien treten aber dann zurück und nehmen die  N0! gg- 
bührende Stelle von Elementarunlerrichtsanstaltelt ein; wie wir eben- 
falls in unsern Tagen mit Freuden gewahr werden. Dann aber sind 
Akademien, wenn, wie in Berlin und München, der Staat durch sie 
das Erlernen erleichtert und dazu die Hülfsmittel lterheischslft, auh 
gezeichnete Künstler aber Gelegenheit haben, Schüler thätig zu bilden, 
achtbare Anstalten; nur nlüssen sie die ihrer Natur nach llnlergg- 
ordnete Stellung nicht überschreiten. Q.
        

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