Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1286071
Michelangelds 
Nachahmer. 
173 
trat, und eine Verbrüderung der Frömmigkeit, wie eine Kunst- 
akademie ward. Der Fürst ward ihr Haupt, und in kleinem 
Angelegenheiten vertraten ihn damals D. Vincenzio Borghini, 
dann Cav. Gaddi, nachher Baccio Valori, und immer einer der 
gebildetstcn Männer der Stadt; wie es denn bis auf heutigen 
'l'ag fortgehalten worden ist. Später ward diesem Künstler- 
verein zum Sitze das Capitel der Nunziata eingeräumt, das 
mit Bildwerken und Gemälden der besten Künstler jeneriZeit 
verziert war, wie Valori sagt (Lett. pitt. T0. I. 12. 130.). 
Auch noch ein Ort ward ihnen zu ihren Versammlungen an- 
gewiesen, und nach und nach erfreute sieh dieser Verein meh- 
rerer freisinniger Vergünstigungen von den Fürsten. Seine 
Gesetze waren von den ersten Wiederbegründern entworfen 
wordsn, zu welchen Vasari selbst gehörte. Er schrieb auch 
darüber an Michelangelo (LetLpitt. T0, III. p, 51,) und 
versicherte, jeder in dieser Akademie habe von ihm gelernt, 
was er wisse; und in der 'l'hat athmet auch diese ganze Ge- 
setzsammlung seinen Styl. Dies war damals in Florenz Brauch; 
besser freilich wär' es gewesen, hätte jeder dem nachgeahmt, 
der ihm zu Sinne war. [n "der Wahl des Styls muss die Na- 
tur Führer, nicht Nachtreter seyn; der Styl ist wie ein Freund: 
jeder muss ihn nach seinem Herzen wählen. Die Florentiner 
haben zwar diesen Fehler mit Andern gemein, und man hat 
diessfalls bemerkt, dass Akademien der Kunst schädlich seien, 
weil man in ihnen nur darnach strebe, alle Geister auf den- 
selben Weg zu leiten, und Italien sei darum reich an Zünft- 
lern, arm an Malernu). Mir sind dergleichen Stiftungen im- 
21) Der unendliche Streit über die Nützlichkeit oder Schädlich- 
keit von Kunstalrudemien ist wol nicht zu schlichten, weil dafür 
und dagegen immer nur hypothetisch geurlheilt werden kann. Wenn 
die Professoren alle ihre Schuldigkeit thuni Wall" der Direclßr 
ein einsichtsvoller und ganz irorurllieilsfreier Mann ist; wenn 
"nur das eigentliche Lernhare, das P-osilive erläutert lllld gelehrt 
wird und nur die kostspieligen Hültsmittel, z- B. lllürlelle, Abgüsse 
nach Statuen und anatomische Werke dargeboten werden, und wenn 
der Kunstschule sodann weit umfassende Kunstunternelimungen, wie 
Baue öffentlicher oder Prachtgehäude, zur Seite stehen, wddie 
jungen Künstler Gelegenheit haben, das in Ausübung zu bringen, 
was sie lerneten, und zu entwickeln, was jeder in sich trägt: so sind 
Akademien nützlich. Wenn aber die Professoren selbst Leute sind, 
welche nicht feste Zeichner, nicht gute Coloristen, sondern hlanieri- 
sten sind, wenn sie daher anstatt gründlicher Kunstkesmtniss den
        

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