Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285816
Vinci , 
Buonarroti 
111-7 
ein heitereres Colorit, grossartigere Licht- und Schattenpartien, 
einen herzhaftern und freiern Pinsel, als man vielleicht bis 
dahin in Florenz gesehen hatte. Im Ganzen scheint er eine 
gewise Munterkeit und Lebhaftigkeit auf die Bahn gebracht 
zu haben, wogegen nichts einzuwenden gewesen wäre, wenn 
sie nur nicht zuweilen in das Uebertriebene gerathen wäre, 
So hat er in der Verklärung in Citta di Castello am Fuss 
des Gemäldes, statt der Apostel, ganz miissig eine Zigeuner- 
bande angebracht. Sein Bild im Palast Pitti ist von diesen 
Flecken frei. Dort sind mehrere Heilige so schön verthcilt, 
dass eine Figur durch Helldunkel die andere hebt, und Farben 
und Lichter stechen so schön ab, Zeichnung und Bewegungen 
sind so kühn; dass man wie vor einem neuen Schauspiele 
steht. Auch malte er für den Staat; zu Volterra im Oratorio 
des heil. Karl ist eine nicht gut ausgeführte Kreuzabnahme; 
eine andre in Citta S. Sepolcro in der Clarenkirche, wovon 
eine alte Copie im Dom ist. Sein grosses Verdienst ist die 
Hauptgruppe und ein abendliches, fast nächtliches licht, wel- 
ches dem Ganzen einen diistern, wahren, jedes Niedr-rliinders 
würdigen Ton giebt, Die Werke dieses Malers sind in ltilllen 
höchst selten; denn seine beste Zeit verlebte er in Frankreich 
im Dienste Franz 1., und führte dort die Oberaufsicht über 
alle Verzierungen mit Gemälden und Gypsarbeiten, welche da- 
mal in Fontainebleau vorgenommen worden. iln diesem Amte 
starb er unglücklicherweise durch Selbstvergiftung; und viele 
seiner Arbeiten zur grossartigen Verschönerung des Gebäudes 
wurden von Primaticcio, seinem Nebenbuhler, nicht aber 
Anhänger, wofür ihn Cellini ausgiebtss), vernichtet._ Von 
Rosso blieben dreizehn Gemälde zum Lobe und aus dem 
Leben Franz I. , welche der Ab. Guget in s. mcm. sur le collbge 
r. de Fr. p. 8l beschrieben hat. Unter diesen ist ausgezeich- 
net die vom König vertriebene Unwissenheit, wovon man 
66) „Was er Gutes hatte; hatte er von dem wundernswürdigen Styl 
unseres Florentiner Malers Rosso, eines wahrhaft wunderbaren 
Künstlers entnommen." Cellini's Leben bei Baldin ucci. B. 5, 
S. 72. Wer so von Giulio Romancws bestem Schüler schreibt, 
wusste entweder nicht, was er schon in Bologna und Mantua ge- 
leistet hatte, eh' er Rosso kannte, oder würdigte es aus blinder 
Leidenschaft nicht. L.  
        

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