Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285793
Vinci , 
Buonarroti 
145 
tern Jahren ihren Styl änderten. Die Karthause hat Werke 
von ihm, aus welchen die Kenner seine dreierlei Style abge- 
leitet haben. Der erste ist correct in der Zeichnung, stark 
im Colorit und kommt Andrea am nächsten. Der zweite ist 
in der Zeichnung gut, aber im Colorit schwächer, und diente 
dem Bronzino und Andern der folgenden Periode zum Vor- 
bilde. Der dritte ist eine wehrhafte Nachahmung Albrecht 
Dürer's, nicht nur in den Erfindungen, sondern sogar in 
den Köpfen und Falten; ein Styl, der in der That so schönen 
Beginnes nicht werth ist! Ausser einigen Leideusgemälden, 
die er knechtisch Albrechtfs Kupferstichen in einem dorti- 
gen Kloster nachmalte, wo er einige Jahre mit Verlernen zu- 
brachte, findet man im Pontormo wenig'Probcn davon. 
Einen vierten Styl könnte man nachweisen, wenn in S Lorenzo 
noch seine elfjährige Arbeit wäre, die allgemeine Sündfluth 
mimlich und das Weltgericht; sein letztes unbarmherzig über- 
tünchtes Werk. Er'hatte darin Michelangelo nacheifern 
wollen und sich ganz in dem anatomischen Style gehalten, 
der in Florenz vor allen andern gelobt wurde. Aber er hin- 
terliess dafür etwas ganz Anderes, womit er der Nachwelt die 
Lehre gab, ein alter Mann dürfe der Mode nicht nachlaufen.  
Andrea pflegte, wie Raffael und Andere jener Zeit, 
seine Werke von Malern, die seines Styles kundig waren, 
Schülern, oder Freunden, ausführen zu lassen. Diese Bemer- 
kung ist nöthig wegen der verschiedenen Hand, die man in 
seinen Gemälden erkennt Man weiss, dass er Einiges von 
Pontormo ausführen liess, und mit einem Jaeone, wie 
Domenieo Puligo umging, zwei für die Malerei gebornen 
Geistern, leicht und sich jeder Nachahmung anschmiegend, 
aber mehr dem Lebensgenuss, als der Ehre ergeben. Von 
dem Einen lobt man die Giebelseite des edlen Hauses Buen- 
delmonte zu S. Trinitä, in Helldunkel mit trefilicher Zeich- 
nung, worin er vorzüglich war , und ganz im Geiste A ndre a's; 
ausser den Oelbildern zu Cortona, welche Vasari sehr lobt. 
Der Andere war im Colorit stärker, als in der Zeichnung; 
sanft, harmonisch, duftig, nicht ohne Streben, die Umrisse 
zu verbergen und sich der Mühe vollendeter Ausführung zu 
iiberhebeu. An diesem Zeichen entdeckt man ihn zlllvßilßll 
in einigen Madonnen und Zimmergemälden, seinen gewöhnli- 
l. au. K
        

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