Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285780
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Florentiner 
Schule. 
Zweiter 
Zeitraum. 
Maler, der mit Anstrengung dahin strebt, wohin der andere 
durch Genius gelangt ist. Dies Werk ist unvollendet; denn die 
Mönche hatten es vor der Zeit aufgedeckt, so dass er sich 
darüber ärgerte, um es zu verderben, einige Hammerstreiehe 
dagegen führte und, wiewol man ihm dies wehrte, doch nie 
es vollenden wollte. Auch hat es kein anderer zu vollenden 
gewagt. Auch bei den Barfüssern wetteiferte er mit Andrea 
in zwei Bildern, die in dieser Nähe nicht viel verlierem 
So stellte er auf der Cajanohöhe, neben einem Freunde 31-- 
beitend, die Rückkehr 'des M. Tullius aus seiner Verbannung 
dar; und wiewol diese Arbeit abgebrochen wurde, war sie doch 
verdienstlich. Es gereicht diesem Künstler sehr zum Lobe, 
dass er mehrmal neben Andrea gearbeitet und seine Nach_ 
eifrung und seinen Fleiss geweckt hat, als fürchtete er 1mm 
ihm übertroffen zu werden. 
Jacopo Carrucciu von seiner Vaterstadt Pontormo 
genannt, war ein seltener Kopf, und wurde gleich _in seinen 
ersten: Werken von Raffael und Michelangelo bewundert 
Er hatte bei Vinci, dann bei Albertinelli einigen Un_ 
terricht genossen, und Pier di iCosmo hatte ihn in der 
Kunst gefördert; endlich ward er Andrea's Schüler. Der 
Meister ward eifersüchtig auf sein Talent, bestimmte ihn durch 
unartige Behandlung von ihm abzugehen, und fand später 
in ihm nicht nur einen Nachahmer, sondern auch Nebenbuhler, 
In dem, Besuch im Servitenkloster, in dem Gemälde mehrerer 
Heiligen zu S. Michelino, in zwei Bildern, welche Joseph 
mit Pcussinaschen Figuren vorstellen, in einem Cabinet der 
Gallerie, sieht man, dass er seines Meisters Spur ohne An; 
strengung verfolgt, und von einem ihm verwandten Geiste 
auf ähnlichen Weg geführt wird. Ich sauge auf ähnlichen 
Weg; denn ermalt nicht etwa seine Gesichter und Figuren 
nach, sondern hat immer eine ausgezeichnete Eigenthüm- 
lichkeit. Bei dem Cav. Cerbone Pucei sah ich von ihm eine 
heilige Familie neben andern von Ba ceio Ro sslo und A ndrea; 
er wetteifert mit ihnen, ist aber von ihnen verschieden. 
Er war etwas wunderlich launenhaft, und wurde leicht 
einen Styl überdrüssig , versuchte also einen andern, aber oft 
mit unglücklichem Erfolg; wie es auch dem Nappi von Mai- 
land, dem Römer Saechi und fast allen erging, die in spä-
        

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