Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285695
Vinci , 
Buonarroti 
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hirulllßl trügen; dies reiche und gut erfundene Prachtstück, 
welches er gern auch in Zimmergemälden anbrachte. Aus. die- 
ser Anordnung tritt er heraus in einem Bilde, welches er zu 
S. Romano in Lucca hinterliess, der sogenannten Madonna 
dellß lllisericordia, welche in holdseliger Gebärde unter einer 
Schaar Andächtigcr sitzt, und sie unter ihrem Mantel vor 
dem Zorne des Himmels schützt. Zu zwei andern Bildern ga- 
ben seine Ncbenbuhler Anlass, welche er, nach Art grosser 
Männer, mit classischen Werken schlug, die dem Neide im- 
mer herber sind, als die herbste Entgegnung. Sie hatten ihn 
nämlich als ganz ungeschickt zu Darstellung in grossen Ver- 
hältnissen verschrieen; da malte er auf ein grosses Blatt nur 
die einzige Figur des H. Marcus; ein Bild, das in der fürstl. 
Gallerie für ein Wunder der Kunst angesprochen wird, wovon 
ein gebildeter Fremder sagte, es komme ihm wie eine zum Ge- 
mälde gewordene grosse Griechische Statue vor. So wurde er 
auch als unkundig des menschlichen Körpers verhöhnt; und 
um diese Spötter der Lüge zu strafen, stellte er auf einem 
andern Bilde den H. Sebastian so nackt dar, wie die Maler 
pflegen, in Zeichnung und Colorit so vollendet, dass er un- 
endliches Lob von den Künstlern ärntete, ausser dass er von 
den Nonnen allznsehr bewundert, und von den Mönchen dess- 
halb erst an einen hesondern Ort gebracht, dann aber nach 
Frankreich verkauft und geschafft wurde. 
Kurz, inijedcm Theile der Malerei war er gross, wenn 
e; wollte, Seine Zeichnung ist höchst schulgerecht .und rein, 
in jugendlichen Gesichtern oft fleischiger und voller, als bei 
Raffael, nach AlgarottVs Bemerkung Wenig erhoben in 
dem Schwerpuncte gemeiner Figuren, beinah plump. In den 
Tinten war er einmal in das Dunkle, Druckerschwarzähnliche, 
Mohrartigc, wie Vasari sagt, gerathen, und dadurch haben 
einige Gemälde von ihm sehr gelitten; aber allmülig verbes- 
serte er auch dies und konnte, wie gesagt, Rßffüßl 111m Mu- 
ster dienen. Im Auftragen und Vertreiben der Farbe gieht er 
den besten Lombarden nichts nachl [Auch im Faltenwurf ist 
er Eriinder; ran ihm haben dieübrigen jene Gliedcrpuppe 
oder das Holzmodcll brauchen gelernt, welches in den Gelen- 
ken lose ist und gar wunderbar zum Studium der Falten dient; 
auch hat keiner aus seiner Schule sie mannichfaltiger, natür-
        

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