Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285597
Vinci , 
Buonarroti 
125 
mischt, die Engel der Offenbarung, und den Fährmann den 
Acheron, den Richter Christus und Minos, der jedem Ver- 
dammten seinen Kreis anweiset; wvozu nun noch die Satyro 
kam, indem er dem Minos den Kopf eines Ceremonienmeisters 
gab, der gegen den Papst dies Bild als ein Badstuben-, nicht 
aber als Kirchenbild gemustert hatte45). Hierin mag er denn 
nicht zum Muster dienen. Scannelli hat in seinem Micro- 
cosmo p. 6. eine grössere Mannichfaltigkeit der Gegengewicht! 
und der Muskeln nach den verschiedenen Altern vermisst; 
wiewol er dem Vinci, der 1519 starb, also mit einem offen- 
baren Zeitverstoss, diese Kritik zuschreibt. Albani sagt bei 
Malvasia (T. II. p. 254), hätte Michelangelo Raffael 
gesehen, er hätte die den richtenden Christus umstehenden 
Zuschauer besser dargestellt. Ich weiss nicht, ob ihm hier 
die Zusammenstellung, oder die Perspective") misfiillt; das 
weiss ich, das auch hier ein Zeitverstoss obwaltet, als wäre 
das Weltgerieht gemalt, ehe Raff ael nach Rom kam").  
Dennoch muss ich bemerken, dass Albani Michelan- 
gel0's grossem Verdienst Gerechtigkeit widerfahren liess und 
nicht, wie viele unserer Zeit, drei Fürsten der Malerei unter-- 
schied, sondern ihn als vierten anerkannte, weil er, seines Be- 
diinkens, an Form und Grossartigkeit Raffael, Coreggio 
und Tizian vorausgegangen (Malv. I1, 254). Und hier 
ist denn zu bemerken, dass er in dem, worin jene die Ersten 
waren, wenn er Wollte, sich eben auch auszuzeichnen vermochte. 
Es ist ein gewöhnliches Vorurtheil, er habe weder Schönheit, 
noch Anmuth gekannt; aber die Eva in der Sistina, welche 
an das Licht tretend sich zu ihrem Schöpfer wendet, und ihm 
mit so schöner Gebärde dankt, ist doch sehr gefällig, und 
Rosa 
47) Darin tarleln ihn auch Andere. S. Valle prosa recüafa 
nelP Arcadiamel 1784. p. 260 des Giorn. pfs. T- 53- L. 
48) Alle die Kunntrichter, welche Michelangeloü Jüngsten 
Gericht tadeln, scheinen nicht an das WTeltgericht zu denken, wo von 
jedem unnützen Worte Rechenschaft gegeben werden loll. Wer meine 
Meinung über Michelangelzfs jüngstes Gericht zu wissen ver- 
langt, kann solche in meinen Slrerfereien im Gebiete der Kunst fin- 
den. Lpz. 1814. 8. Q.
        

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