Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285514
Vinci , 
Buonarroti" 
117 
ticf und gross erwies, so suchte auch Michelangelo in der 
Zeichnung immer das Schwierigste aui, und zeigte sich in der 
Ausführung als gelehrt und grossnrtig. In seinen Werken 
hat der Mensch jene Formen, die Zeuxtis nach Quincti- 
lian") immer wählte und darstellte, so nervig, muskelfest, 
rüstig; seine Verkürzungen und Gebärden sind die schwierig- 
sten; sein Ausdruck ist lebhaft und hehr. Noch haben Beide 
eine gewisse Pracht und Schaustellung des Wissens mit einan- 
der gemein; wesshalb Dante den Kritikern oft mehr Kathe- 
derlehrer, als Dichter, Buonarroti mehr Anatom, als Maler 
schien; ferner eine gewisse Unbekümmernis um das Schöne, 
wesshalb oft der Erste, und wenn man den Carracci' und 
Me ngs trauen darf, der Zweite zuweilen in's Rohe verfüllt n). 
Auch in dieser Geschmackssache will ich nicht Partei nehmen, 
sondern nur warnen, dass man eine solche Vergleichung nicht 
zu weit treibe; denn jener Dichter geht, indem er der Schwere 
der Gedanken und der Reime Trotz bietet, so weit, dass 61' 
nicht immer zur Nachahmung aufgestellt werden kann; dage- 
gen jede Zeichnung, jede Skizze, geschweige denn jede gröi- 
bsere Arbeit lliichelangelcfs immer als Kunstmuster gilt; 
und wenn man an jenem das Mühselige tadelt, so ist an die- 
59m Alles Natur und Leichtigkeitß). Er pilegte zu sagen, 
man müsse den Cirkel in den Augen haben, wie Diodorus 
von Sicilien sagte, die Aegypter hätten das Maas in der Hand, 
die Griechen in den Augen"). Dies Lob gebührt auch un- 
ßefn] Künstler, der, wo er auch nur zum Scherz Feder, Blei- 
27) Inst. or. 12, 10. Zeuri: plus membris corpuris dedit, M am- 
plius atgue augustius rulus , (Uque, ut erislinzant, Hauwrum xerluu- 
zus, cni valzklissinea guaegue forma, stiam in femin-is placet. L. 
28) Doch hat keiner dieser grnssen Männer den Michelangelo 
so verhöhnt, dass er den Christus in der lßlinervu einem Henker ver- 
gliche, wie der Vf. der Arte da" vmlere. Mengs, dem er nicht 50- 
wol folgt, als schmeichelt, würde sich dieses und ähnlicher bissigen 
Ausdrücke geschämt haben. S0 übertreiben aber Schmeichler fast im- 
mer. Juveual schildert dergleichen: Leute Sat. 3, v. l0O ß", L. 
29) Bottari gesteht, es sei etwas Rlauierirtes darin, aber so 
kunutreich versteckt, dass man es nicht sehe. Dies haben wenige 
seiner Nachahmer verstanden. L. 
in 
Winckclmann 
Staub: 
Gaumen. 
3l6,
        

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