Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285479
Vinci , 
Buonarroti 
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Vinci, hatte er ziemlich ähnliche Grundsätze, wie dieser; 
war geduldig und genau, aber ferner von der Weichheit der 
Neuern. Er copirte ein Bild Lionardws, das nach Spanien 
geschickt wurde, so genau, dass es nicht vom Urbilde zu unter- 
scheiden war. Hier und da in Häusern sind von ihm meh- 
rcre runde Bilder heiliger Familien, mit viel Witz und Anmuth 
gemalt, die an Lionardo erinnern. Ich selbst habe eines 
an mich gebracht: Madonna sitzend, Jesus auf dem Arme, 
zur Seite der kleine Johannes, zu welchem sie sich wie ta- 
delnd wendet, weshalb der Knabe sich zu fürchten und zu- 
rückzuziehen scheint; ein artiges Bildchen , freilich nicht ganz 
im Sinne de Gegenstands. Einige Gemälde Credi's, die 
Bottari nicht an öffentlichen Orten fand, sind jetzt dort, 
wie das in S. Maria Maddalena mit den Heil. Niccolö und 
Giuliano, welches Vasari als Muster reinlicher Malerei an- 
führt. Auch eine Krippe von ihm ist in S. Chiara, schöner 
in den Gesichtern, lebendiger im Ausdruck, vollendeter in der 
Landschaft und von durchaus besserem Colorit, als er je ge- 
malt. In diesen und andern Werken seiner Erfindung verräth. 
sich einige Nachahmung Vi n oi's , und seines zweiten Freundes, 
Pietro Perugino; dennoch ist etwas Ureigenthümliches 
darin, welches sein Zögling, Gio. Antonio Sogliani 
löblich aulfasste und fortbildete. 
Dieser lebte mit Lorenzo 24 Jahr, und begnügte ich 
nach demelben Muster weniger, aber Besseres, als seine Zeit- 
genossen, zu liefern. In einigen Stücken wollte er sich auch 
nach Porta bilden; aber sein Sinn leitete ihn mehr auf das 
Einfache und Artige seines Lehrers, als auf das Grose jenes 
Meisters hin. Wenige aus der Schule können sich mit ihm in 
dem Natürlichen des Nackten sowol, als der Bekleidung, und 
in den ehrbaren, leutseligen, süssen und huldrei- 
chen Gesichtern, wie sie Vasari beschreibt, messen. 
Seine ganz besondere Gabe schien, dass er in den Gesichtern 
der Heiligen das Bild der Tugend, in den Verkehrten das des 
Lasters, gleich Lionardo, zu malen verstand. So in den 
beiden Brüdern Abel und Kain im- Dom zu Pisa; auf welchem 
Bilde übrigens eine Landschaft ist, die schon allein einen Maler 
berühmt machen könnte. Mit gleichen: Glück sowol in der 
Figur, als der Landschaft, stellte er den H. Arcadiul ani 
l. Bd. H
        

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