Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285426
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Florentiner 
Schule. 
Zweiter 
Zeitraum. 
willen wird er in der neuern Malerei al der Erste angesehen 7), 
obwol einige seiner Werke, nach Mariette, etwas von alter- 
thiimlicher Kümmerlichkeit nicht verläugnen können. 
Er hatte zweierlei Style, einen tiefschattigen, wo sich die 
entgegengesetzten Lichter siegend hervorheben, und einen ruhi- 
gern durch Halbschatten vermittelten. In beiden herrscht 
Anlnuth der Zeichnung, Ausdruck der. Seele, Feinheit des Pin- 
sels. Alles ist heiter in seinen Gemälden, Grund, Landschaft 
und sonstige Beiwerke von Hügeln, Blumen, Bauten; beson- 
ders aber die Köpfe. In diesen wiederholt er gern denselben 
Gedanken und giebt ihnen ein Lächeln, welches schon im An- 
blick die Seele erheitert. Aber er vollendet ie nicht, sondern 
lässt oft, aus einer gewissen Zagheit 3), seine Gemälde unvol- 
lendet; worüber mehr bei der Mailänder Schule. Dort tritt; 
er in der Würde des höchsten Meisters auf; seiner ursprüng- 
liehen Schule genüge für jetzt ein Theil seines Lobes. 
Man kann Lionardow Leben in vier Zeitalter gleich- 
sam eintheilen. Das erste ist die Zeit seiner Jugend, die er 
in Florenz verlebte. Ihr gehören an, nicht blos die Medusa. 
der Gallerie9) und die wenigen von Vasari angedeuteten 
Werke, sondern auch die übrigen, welche minder starke Schat- 
ten haben, weniger Abwechselung im Faltenwurf, und eher- 
zarte, als ausgesuchte Köpfe, die aus Verrocchitvs Schule 
zu stammen scheinen. So die PittischeMagdalena zu Florenz 
und die Aldobrandinisehe zu Rom; einige Mßflßmlßn, oder heilige 
Familien auf mehrern Gallerien, wie in der Giustinianischen 
und Borghesischen; einige Köpfe des Erlösers und seines Täu- 
fers, welche ich an mehrern Orten gesehen, wiewOl man bei 
der Menge der Lionardowchen Werke oft das Urtheil über 
die Aechtheit zurückhalten möchte. In anderer Art und sehr 
unstreitig ist das Kindlein, welches auf einem prächtigen Bett, 
7) S, Pißgegzg, in geinem Blaldinrecei V01. II. p- 253, wo 
man alle: anderwärts Zerstreute gesammelt findet. II- 
3) a1 Lionardo schien immer zu zittern, wenn er sich zum Ma- 
le" "Mßhickle, und vollendete daher nie etwas Angefßnßßnei, illdem 
er die Grösne der Kunst erwog, so dass er noch in dem, W81 An- 
dem ein Wunder schien, Fehler bemerklß" Lamazz" 1719" de! 
tempin dellu pillura. p. 114. L. 
9) Welche; ein treßlicher Stecher zu wünschen wäre. Q.
        

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