Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285188
84 
Buch. 
lII. 
Abschnitt. 
Ursprung 
F orfgüng 
Zeichnung ihren Ursprung, noch sicherer aber sind die Iuschrif- 
tcn und andere unzweidcutigere Zeichen. So lies't man z. B. 
auf einem Presepio mit vcrkehrter Schrift: Dominus Philippus 
Stanchurius feri fecit, wo die angegebene Familie, nebst 
andern Umständen, auf Bologna führt. Ein kleiner Kupfer- 
stieh stellt eine Frau vor, die sich nach einer Katze Wendet, 
und wieder mit umgekehrter Schrift steht dabci: 1m in la ca- 
neva; und auf einem andern mantengave die; beide sind Lom- 
bardisch, oder. Venezianisch, wie die Mundart zeigt. Aus die- 
sem allen kann man schliesen, dass VasarVs Worte, wo er 
dem Finiguerra das Verfahren beilegt, von seinen Arbeiten 
vor Auftragung des Niello Abdrücke zu nehmen, nicht auf ihn 
allein, oder seine Schule zu beschränken sind. Vielmehr schei- 
Anen auch Caradoss o und die übrigen bessern Italiener dies 
Verfahren, als einen nicht geringfügigen Theil ihrerKunst, beob_ 
achtet und ihre Nielloarbeiten durch dergleichen Abdrücke, nicht 
etwa nur zufällig, vervollkommnet zu haben. Dass Vasayi 
davon nichts sagt, thut nichts. Er spricht mehrmals an an- 
dem Stellen davon, wo er klagt, nicht hinlänglich in der G9- 
schichte der Venezianer und Lombarden bewandert zu seyn; 
und wenn er hinsichtlich ihrer Malerei so vieles nicht wusste, 
so konnte er auch in Bezug auf ihre Kupferstecherei noch 
viel mehr nicht wissen. 
Also sind Abdrücke von Niello auf Papier in ganz Italien 
zu finden; namentlich erkennt man sie an der Schrift, welche 
ursprünglich recbtwärts ging, im Abdruck aber, wie orienta- 
lische, von der rechten nach der linken; und so fällt auch 
das Uebrige im Üruck umgekehrt aus; ein Heiliger z. B. der, 
seiner Würde nach, rechts stehen musste, steht links, und 
alle handelnde Personen schreiben, spielen und gebärden sich 
linkisch. Auch durch andere Zeichen unterscheiden sie sich. 
Weil nämlich die Drucke nrit der Hand, oder mit der Walze 
abgezogen sind, so lassen sie keine Furche an den Rändern; 
auch kann man von ihncn nicht die Feinheit und Bestimmtheit 
der Linien erwarten, welche später den Drucken mit der Presgg 
gcgebefwurde. Ausserdem unterscheiden sie sich auch durch 
die Farbe, wozu Kienruss und Oel, oder eine andere leichte 
Tinte genommen ward. Doch sind diese beiden letzten Zei- 
chen, wie wir gleich sehen werden, zweifelhaft. Man hat
        

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