Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285097
Flßrentiner 
Schule. 
Zeitraum. 
Abschnitt. 
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der Vvlahrheit nahe gekommen war, besonders in den Köpfen, 
welchen man eine auch jetzt noch überraschende Lebendigkeit 
gab. Betrachtet man die Figuren und Bildnisse jener Zeit, 
svscheinen sie den Beschauer wirklich anzusehen und mit 
ihm sprechen zu wollen. Nun blieb aber noch die Aufgabe 
vorbehalten, den Formen ldealschönheit zu geben, der Zeich- 
nung Fülle, dem Colorit Einklang, der Luftperspective richtige 
Methode, der Zusammenstellung lllannichfaltigkeit, und dem 
Pinsel, der doch noch in allen schwerfüllig schien, Gewandtheit. 
Diese Verbesserung herbeizuführen, vereinigten sich in Florenz 
und an andern Orten alle Umstände. Erwacht war unter uns 
der Geschmack an grossen Gebäuden. Viele der schönsten 
Tempel Italiens, viele ölfentliche und herzogliche Paläste, die 
noch in Mailand, Mantua, Venedig, Urbino, Rimini, .Pesaro, 
Ferrara zu sehen sind, entstanden um diese Zeit; andere Ge- 
bäude in Florenz und Rom nicht zu erwähnen, wo Pracht 
mit Zierlichkeit wetteifert. Diese mussten verziert werden, 
und so musste wol unter den Künstlern jener edle Wetteifer 
entstehen, jene grosse Gäbrung der Begriffe, welche die Kunst 
so sehr fördert. Das dem Studium der Malerei so verwandte 
der Poesie nahm so zu, dass man dies ganze Jahrhundert das 
goldene nennen konnte; ein Name, den es gewiss nicht durch 
andere strengere Studien verdient Die Zeichnung jener Meister 
war, obwol etwas trocken, doch rein und correct, Wund somit 
das beste Erziehnngsmittel für das folgende Jahrhundert. Es ist 
eine sehr wahre Beobachtung, dass Schüler den schwiichlichen 
Umrissen ihrer Vorbilder eher etwas Markiges verleihen, als 
sehwerfälligen Umrissen das Ueberflüssige benehmen. Daher 
haben einige Künstler geglaubt, es möchte wol besser seyn, 
die Jünglinge gleich anfangs an jene Bestimmtheit des 14. Jahr- 
hunderts zu gewöhnen, als an die in spätern Zeiten einge- 
führte Ueherschwänkliehkeit. Unter diesen Umständen ent- 
stand denn die glückliche Zeit, welche die Jahrbüchcr der Ma- 
lerei auszeichnet. Damals waren die Italienischen Schulen, 
welche durch wechselseitige Nachahmung einander ähnelten, 
zur Reife gelangt, und nahmen nun jede einen entschiede- 
nen und eigenen Charakter an. Den Charakter der Florenti- 
nischcn werde ich im folgenden Zeitraume schildern; zuvor 
 aber will ich von andern mit der Malerei verwandten Künsten,
        

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