Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1285050
F lorentiner 
Schule. 
Zeitraum. 
Abschnitt. 
71 
nigen, den Gang einer Seele in das Fegefeuer unlldie Kraft 
des Ablasses, sie daraus zu befreien, versinnbilden soll.  
Die beiden nun Folgenden wurden aus dem Florentiner 
Staat in die Sistina berufen, dessen Maler ich nun nach denen 
der Ilauptstadt betrachten werde. Luea Signorelli war 
aus Corlona, den VasarPs von Arezzo verschwägert, Schü- 
ler des Piero della Francesca, ein Maler von Geist 
und Ausdruek,'eincr der Ersten in 'l'oscann, welche die Kür- 
per mit wahrer Kenntnis der Anatomie, wiewol etwas trocken"), 
zeichneten. Dies beweiset der Dom zu Orrieto und die vielen 
nackten Figuren, deren Gebärden nachzuahmen Michelan- 
gelo selbst nicht verschmähte. Obwol man in seinen meisten 
Arbeiten nicht auserlesene Formen, noch hinlängliche Harmonie 
der Farben gewahrt, so haben doch einige andere, besonders 
in der Communioix der Apostel in der Kirche Jesu in seiner 
Vaterstadt"), eine Schönheit, Anmuth und Farbe, die an das 
Neuere rührt. Er arbeitete in Urbino, Volterra, Florenz und 
mehrern andern Städten. In der Sistina malte er die Beise 
Mosis mit Sipora, und die Bekanntmachung des alten Ge- 
setzes; reiche und besser, als sein Jahrhundert pflegte, ange- 
ordnete Bilder. Vasari und Taja erkennen ihm unter den 
40) Dies ist eins von den Vorurlheilen, von welchen LanzVs 
XYerk roll und angesteckt ist. Sign 0 relli war einer der größten 
Künstler, welche je gelebt haben, und hinsichtlich einer reinen, 
grousarligen , nalurgemiissen, von aller Manier freien Zeichnung ge- 
wiss der vorziigliuhsle von Allen; allein eben wegen der 161118111 
Piigenschzmften seiner Zeichnung nennt ihn Ln. nzi trocken. Vielleicht 
hat Lanzi dies von einem Pfuscher aufgenommen, der die Natur 
und die Antike nie erkannt, die eine durch die andere zu verstehen: 
nie gelernt. hat, und der immer noch meinte, Gott! hätte die Men- 
schen wie den Apoll von Mengs in der Villa Alhani machen 
sollen; dahingegen uns doch scheint, es wäre heißer gßwesen, 
Menge hätte dem Apoll eine edle hlenschexigcstalt gegeben. 0h- 
wul die Ahhillluxigen zu rlaliu Vulle Slmtia de! lluama (Pürvfgig 
nur sehr unvollkommen sind, so kann man sich doch schon danach 
eine Vorstellung Vuli der (lrösse und dem hohen Geiste der Werke 
de: Signurclli machen. Q- 
41) Diese Darstellung (lciltlbenrllnals weicht von den andern da- 
durch uh, dass die Jünger nicht. an einer Tafel sitzen, sondern uln 
Christus her knieun und er in ihrer Mitte stehend das Brod austheilt. 
Diesen Bild ist unvmggltzichlicll getmalt, stellt nicht Nacht, uonllßrln 
'l'ug vor, und weich! also auch dadurch von andern Ahendnxulslnildern 
sehr ah. Ein schlechter Umriss danach ist bei Agincourt näch- 
zusehen. Q.
        

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