Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1284729
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Unteritalien. 
Buch. 
170. Novelle. Einiges Verdienst hatte Gio. da Ponte, Buf- 
fal1nacc0'8 Schüler; aber er bildete es eben nicht durch 
Fleiss aus. Von ihm ist noch ein Ueberrest eines Gemäldes 
an einer Mauer der Franciseuskirche zu Arezzo. 
iAus einer alten Schule muss auch Bernardo Orcagna, 
hervorgegangen seyn, der sich, wie Buffalm acc o, hob. Er 
stammte von einem Bildner Cione, und auch sein Bruder Ja- 
copo war Bildner; allen überlegen aber war sein andrer Bru- 
der Andrea Orcagna4), der die drei verschwisterten Künste 
so in sich vereinte, dass er von Einigen gleich nach Giotto 
gesetzt wardf). Unter den Baumeistern ist er dadurch be- 
kannt, dass er an Bogen statt des Spitzwinkels das Halbrunde 
einführte, wie man an der von ihm gebauten und mit Bild- 
werk gezierten Gallerie der Lanzi sieht's). Bernardo 
lehrte ihm die Anfangsgründe der Malerei; die, welche ihn von 
Angiol Gaddi unterrichten lassen, haben die Zeiten nicht; 
gehörig unterschieden. Mit Bernardo malte er in der Ka- 
pelle Strozzi zu S. Maria Novella das Paradies 7), und gegen. 
über die Hölle; und auf dem Friedhof zu Pisa waren von An- 
drea der Tod 8) und das Gericht, von Bernardo die Hölle. 
L 
4) Ueber die Rechtschreibung dieses Namens ist man llngewisg_ 
Hierüber Bar. Rumohrs Im! Furscli. 2. Tlz. S. 90, und Agin- 
caurvs bist. d: Part. p. l. Ilwll- Q- 
5) Nach meiner Meinung steht er weit über Giotto in jeder- 
Rücksicht. Eiue von herkömmlichen Formen noch freiere Eiuhil- 
dungslrraft, als Giotto besns, zeichnet 0 rcngna. aus. Zartes 
und Grosses, Heiliges und Scherzhaites, Ernstes und Heitres ver. 
mochte er zu fühlen, zu erfassen, in sich aufzunehmen und dsrzu- 
stellen. In der Zeichnung übertraf er Giotto bei weitem und in 
Erfindung war er unerschöpflich mannichfaltig. Q. 
6) Die Halbkreisbogen gingen den Spitzbogen vorher. Also lmnntg 
O. sie nicht eingeführt haben. Q. 
7) Ein jüngstes Gericht, aber nicht das Paradies, ist dieses Bild 
zu nennen. WVie verwegen der Hllmßr des Genies oft mit dem Furcht. 
baren spielt, davon giebt dieses Gemälde ein Beispiel. Orcngna 
brachte im jüngsten Gericht folgende Episode an. Die Gräber sind 
ßllfgethan und die Todten zum Gericht hervorgegangen. Doch in dem 
 Winkel des einen Grabes blieb ein Mönch versteckt zurück und wollte 
den verhängnissvollen Tag erst vorübergehen lassen. Allein ein klei- 
ner Teufel hnt ihn ausgespürt und zieht ihn, wie ein Kätzchen die 
M aus aus ihrem Loche, hervor. Q- 
8) Dieses Bild ist unter dem Namen i! Trionfo rlclla morte be- 
kauut und von dieser romantisch malerischen Dichtung hat Zachn- 
rias Werner ein puetisches Bild geliefert. Q.
        

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