Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271300
Studien 
ZUT 
Madonna mit 
der 
Anna. 
kopieen 
Mailand. 
sieht 
man 
in 
den 
Uffizien 
ZU 
Florenz 
und 
in 
der 
Brera 
Zll 
Wir besitzen zu diesem Werke mehr Studien als zu irgend einer 
andern Schöpfung Lionardds. Zunächst kommt eine Federzeichnung 
im Louvre (Br. 188) in Betracht, wo die Madonna auf dem Schooss 
der h. Anna fast herabgleitend dargestellt ist und mit der Rechten das 
Christuskind umfasst, das man vom Rücken sieht, wie es neben ihr 
auf der Bank sitzend sich an sie schmiegt, während die Grossmutter, 
sich von ihrem Buche wendend, liebevoll auf das Kind herabblickt. 
Der Kopf der h. Anna erinnert an den auf dem ausgeführten Bilde," 
im Üebrigen ist die Üomposition so wenig lionardesk, erinnert viel- 
mehr in ihrem erkünstelten Aufbau so stark an Michelangelo, dass sie 
eher einem Nachfolger dieses Meisters als dem Lionardo zu entsprechen 
scheint. Ganz anders verhalt es sich mit einer geistreich hingeworfenen 
Federzeichnung der Akademie zu Venedig (Br. 39), in welcher man 
in der That die erste Idee zu Lionardds Gemälde erkennen darf. 
Die Madonna sitzt hier seitwärts gewendet auf dem Schoosse der 
h. Anna "und hält mit beiden Armen das Christuskind, das sich eifrig 
zu dem daneben" stehenden Lamme herabneigt. Für den Kopf der 
Anna bietet das Bild zwei Varianten: die erste Idee lässt ihn zu weit 
aus der Gruppe herausragen, was dann zu Gunsten eines geschlosseneren, 
mehr pyramidalen Aufbaues geändert wurde. Dennoch befriedigte diese 
Lösung, bei welcher das Lamm für die Composition nichtigünstig ver- 
werthet war, mit Recht den Künstler nicht, und so entstand jene end- 
gültige Redaktion, die in dem ausgeführten Bilde vorliegt. Zu dieser 
befinden sich nun mehrere vorbereitende Studien in derselben Samm- 
lung. Zunächst die ganze Composition in einer leichten Rothstift- 
zeichnung (131240), von der indess zweifelhaft sein könnte, ob sie nicht 
vielmehr eine flüchtige Studie nach dem Gemälde ist, wenn nicht 
gewisse Pentimenti am rechten Arm und Fuss der Madonna für die 
Ursprünglichkeit des Entwurfs zeugten. Sodann obendort ein Blatt 
(Er. 41) mit Studien für das Kind, ungemein geistreich mit dem Roth- 
stift gezeichnet, wobei der Künstler zweimal die ganze Figur des 
Kleinen, dann etwas grösser den Kopf, den Oberkörper, ein Mal den 
linken Arm, dann den Vorderarm mit der Hand und endlich das linke 
Bein ausgeführt hat. Das schöne Blatt ist überaus lehrreich, weil es 
in die Werkstätte des schaffenden Geniusblicken-lässt. Ebendort ist 
dann, gleichfalls in Rothstift ausgeführt, die schöne Studie zum Kopf 
der h. Anna (Br. 42), eine andere, leicht mit der Kohle hingeworfene
        

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