Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271265
Mona 
und 
Lisa 
andre 
Bildnisse. 
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hat. Zahlreiche alte Kopieen bezeugen den frühen Ruhm dieses 
MGlSiJGPWBFkS. 
Höchst merkwürdig ist nun ein Frauenbildniss der Ermitage in 
Petersburg, welches Waagen wegen seiner hohen Vollendung un- 
bedenklich dem Lionardo zuschreibt. Es stellt eine unbekleidete Frau 
dar, genau in der Haltung wie die Mona Lisa, namentlich was die 
über einander gelegten Hände betrifft. Auch der Kopf, obwohl mit 
andrer Anordn1mg' des gekräuselten Haares und von abweichender 
Bildung der Formen, erinnert in dem süss lächelnden Ausdruck an jene 
Dame. Ob hier in der That ein NVerk Li0nardo's vorliegt, wagen 
wir nicht zu entscheiden; doch dürfen wir nicht verhehlen, dass, so- 
weit die Photographie ein Urtheil erlaubt, die Zeichnung der Hände 
keineswegs auf der Höhe eines solchen Meisters zu stehen scheint. 
Hierher gehört nun auch das Frauenportritt der Galerie zu Augsburg, 
sofern man darin ein äehtes Werk Lionardds anzuerkennen hat. Es 
zeigt eine fast bronzeartige Glätte der Behandlung und eine so meister- 
hafte Vollendung der Formgebung, dass man allerdings wohl an Lio- 
nardo zu denken versucht ist. Dennoch weicht die fast unheimliche 
Starrheit des Ausdrucks, noch verstärkt durch die fahle Blässe des 
Kolorits, so sehr von der sonst den Werken des Meisters eigenen 
Süssigkeit ab, dass der Eindruck immer von Neuem wieder befremdet. 
Jedenfalls wird man das Werk in die frühere Mailänder Zeit zu setzen 
haben, da in der Behandlung das Plastische dem Malerischen überlegen 
ist und die Wirkung der eines Bronzewerkes nahe kommt. In dem fast 
herben Ausdruck und in der energischen Plastik des Formgepräges 
erinnert an dieses Werk ein gezeichneter F rauenk0pt' im Louvre (Br. 
178), mit Kohle auf grünem Papier ausgeführt, den die Strenge der 
Behandlung ebenfalls in die frühe Zeit des Meisters weist. 
Gegen das Jahr 1506 erbat sich Lionardo von der llorentiner 
Regierung einen Urlaub, um nach Mailand zu gehen und dort seine 
Angelegenheiten zu ordnen. Der dortige französische Statthalter Karl 
von Amboise scheint ihn sofort in seine Dienste genommen zu haben, 
denn unter'm 18. August desselben Jahres erliess er ein Schreiben 
an Pietro Soderini, in welchem er den Urlaub Lionardds zu verlängern 
bittet, damit dieser eine dort begonnene Arbeit vollenden könne. So- 
derini konnte diesen Wunsch nicht unerfüllt lassen, beklagt sich aber 
in seiner Antwort über Lionardo, da er immer noch hoffte, dass dieser 
sein Gemälde der Schlacht von Anghiari vollenden werde. In einem 
Schreiben vom 16. Dezember dankt der Statthalter aufls Wärmste,
        

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