Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271241
Karton 
Hathssaal  
den 
dem Todesstosse bedroht wird, während seitwärts ein ebenfalls zu Boden 
gestürzter Krieger sich mit dem Schilde deckt und aus dem Getümmel 
zu entkommen sucht. Zu beachten ist, dass der Kupferstich das Ori- 
ginal von der Gegenseite wiedergiebt, wodurch sämmtliche Krieger 
mit der Linken ihre Waffen zu führen scheinen. Dass übrigens die 
Formen Lionard0's stark in's Flandrische übersetzt sind, wird man 
nicht verkennen; dagegen wird die phantastische Form der Waffen 
und Rüstungen wohl ihm selbst zuzuschreiben sein. 
Ueber die Composition des ganzen Bildes giebt eine noch vor- 
handene Denkschrift Lionardds einige Andeutung. Demnach nahm 
offenbar die eine Seite das iiorentinische Heer ein, geführt von seinem 
Oberfeldherrn, dem Patriarchen von Aquileja, welcher dargestellt war, 
wie er im Gebet mit gefalteten Händen Gott um Sieg antleht, wobei 
aus einer Wolke ihm der h. Petrus erscheint. Den Mittelpunkt des 
Bildes aber wird der Kampf um eine Brücke eingenommen haben, 
und diesem wird auch die noch vorhandene Episode angehören. Auf 
der andern Seite endlich wird die Flucht und Verfolgung des feind- 
lichen Heeres dargestellt gewesen sein. Der Karton machte bei seiner 
Vollendung das grösste Aufsehen und war lange Zeit Gegenstand des 
Studiums für die heranwachsende Generation. Hier studirte auch der 
jugendliche Rafael, in dessen berühmter Constantinsschlacht, wie man 
mit Recht hervorgehoben hat, ein Nachklang der Composition Lionardo's 
zu vermuthen ist. Denn auch dort handelt es sich um den Kampf auf 
einer Brücke, welcheslüberaus dankbare Motiv später Tizian in seiner 
Schlacht von Cadore und Rubens in seiner Anlazonenschlacht wiederum 
verwendet haben. Dass es an einer Fülle ergreifender Episoden nicht 
fehlte, darf man, wie Waagen richtig hervorhebt, schon aus der Stelle 
des Traktats über die Malerei abnehmen, wo Lionardo mit grosser 
Ausführlichkeit davon handelt, wie eine Schlacht dargestellt werden 
müsse. Für die Ausführung des Gemäldes wollte der Meister, wie ge- 
sagt, nach VasarYs Erzählung wieder Oelfarben verwenden, wenn nicht 
Milanesfs Anonymus  besser unterrichtet ist, der von einem Versuch 
des Meisters spricht, die Enkaustik der Alten wieder zu beleben. Er 
habe zuerst in der ihm für seine Arbeit eingeräumten Sala del Papa 
im Kloster von S. Maria Novella einen Versuch im Kleinen gemacht, 
seine Malerei durch ein starkes davor angezündetes Feuer zu trocknen. 
Als er dies Verfahren dann im Saal des Palazzo Vecchio habe anwenden 
ltaliano, 
II. 
 Archivio storico 
Liibke, Italien. Malerei. 
1872, 
XVI. 
Tom.
        

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