Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271226
Rückkehr nach 
Florenz. 
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und Verrath eroberten Städte der Romagna zu befestigen. Lionardo 
musste in seinem Auftrage die unterworfenen Gebiete bereisen, wobei 
ein Geleitsbrief des Herzogs ihm mitgegeben wurde, in Welchem dieser 
ihn seinen ausgezeichneten und sehr geliebten Hausfreund nennt und 
seinen Beamten befiehlt, ihn in allen Dingen zu fördern, besonders seinen 
Ingenieuren aufträgt, sich mit ihm zu berathen und sich nach seinem 
Gutachten zu richten. Die politische Ruchlosigkeit des Borgia hinderte 
Lionardo eben so wenig wie die des Moro solchen Herrschern seine 
Dienste zu weihen. 
Als er nach Vollendung dieser Mission 1503 nach Florenz zurück- 
kehrte, wurde er zunächst im Juli desselben Jahres beauftragt, Nivel- 
lirungsarbeiten vorzunehmen, welche sich auf das Projekt der Kanali- 
sirung des Arno bezogen. Er war dabei von Giovanni Cellini, dem 
Vater Benvenutds, begleitet. Indessen fühlten die Behörden der Stadt, 
dass es sich zieme, ihrem berühmten Mitbürger einen ansehnlichen 
künstlerischen Auftrag zu ertheilen, und so ersuchte Pietro Soderini 
ihn, in dem Rathssaale des Palazzo Vecchio eine Wand mit einem 
grossen historischen Bilde aus der Geschichte von Florenz zu schmücken. 
Hatte man im Mittelalter in solchen Fallen gewöhnlich religiöse oder 
allegorische Darstellungen gewählt, so ist es bezeichnend für den Geist 
der neuen Zeit, dass man hier zu einem Stoff aus der profanen Ge- 
schichte griif. Gewählt wurde die Schlacht bei Anghiari, wo die 
Florentiner im Jahre 144O über Niccolo Piccinino, den Feldherrn des 
Herzogs Filippo Maria Visconti, gesiegt hatten. Lionardo War bis 1505 
mit diesem Werke beschäftigt. Er führte den Karton in einem ihm 
dafür angewiesenen Raum des Klosters Sta. Maria Novella aus und 
erhielt während der Arbeit die ansehnliche Summe von fünfzehn Gold- 
dukaten monatlich. Auch hier hatte er wieder die Absicht, das Werk 
in Oelfarben auf die Wand zu malen: aber da die von ihm bereitete 
Grundirung sich schon während der Arbeit von der Mauer ablöste, 
S0 musste er von der weiteren Ausführung abstehen. Sein Anerbieten, 
das dafür erhaltene Geld zurückzuzahlen, wurde nicht angenommen. 
Da nun auch der Karton spurlos verschollen ist, so zeigt sich keine 
Möglichkeit, eine Vorstellung von dem Werke zu gewinnen. Nur von 
einem Theil der Composition hat Rubens später eine jetzt im Louvre 
befindliche Zeichnung gemacht, die durch Edelinck's Stich allgemein 
bekannt geworden ist. (Fig. 9.) Offenbar eine Episode aus dem grös- 
seren Schlachtbilde, behandelt sie den Kampf von vier Reitern um 
eine Standarte. Der mailandische Fahnenträger wirft sich auf seinem
        

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