Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271215
Buch. 
Kapitel. 
Lionardo 
Yinci. 
Schwer mochte es dem Künstler fallen, die Stätte seines lang- 
jährigen Wirkens zu verlassen. Von seinem Schüler Salaino und seinem 
Freunde Luca Pacioli begleitet, begab er sich nach seiner Vaterstadt 
zurück, um sich nach neuer Thatigkeit umzuschauen. Von Pietro 
Soderini, der damals an der Spitze des Staates stand, mit Auszeichnung 
aufgenommen, erbot er sich, das dem Filippino Lippi bereits über- 
tragene Bild für den Hochaltar der Servi auszuführen. Obwohl diese 
Zumuthung die meisten Künstler nicht mit Unrecht gekränkt hätte, 
trat der liebenswürdige Filippino bescheiden zurück. Allein Lionardo 
verzögerte die Arbeit dermassen, dass er, obwohl das Kloster ihm nach 
der Sitte der Zeit mit seinen Gehülfen Wohnung und Unterhalt gab, 
nach langem Zögern nur den Karton vollendete. Aber selbst dieser 
riss durch eine bis dahin nicht geahnte Vollendung ganz Florenz zu 
solcher Bewunderung hin, dass mehrere Tage hindurch eine allgemeine 
Wallfahrt nach dem ausgestellten Werke entstand. Gegenwärtig im 
Besitz der Kunstakademie zu London, gehört er, obwohl keineswegs 
in allen Theilen vollendet, zu den herrlichsten Schöpfungen Lionardo's. 
Er stellt die Madonna mit dem Kinde auf dem Schoosse dar, welches 
sich zum kleinen Johannes wendet, der mit einem Lamme spielt. Neben 
der Madonna sitzt die h. Anna, die gen Himmel zeigt, um auf den 
göttlichen Ursprung des Kindes hinzuweisen. Die Composition ist 
trefflich aufgebaut und zeigt im Linienfluss, in den grossen Gewand- 
motiven und dem Adel der Köpfe den freien vollendeten Stil des 
Künstlers. Namentlich erkennt man in der Madonna zum ersten Mal 
den ausgeprägten weiblichen Idealkopf Lionardo's mit dem süssen 
Lächeln der Augen, des verführerischen Mundes und dem schmal zu- 
laufenden Kinn. Dabei ist die grösste plastische Wirkung, verbunden 
mit malerischer Weichheit, durch blosse Anwendung der Kreide mit 
aufgesetzten weissen Lichtern erreicht. Von der Vollendung des Werkes 
soll den Künstler, nach Vasarfs Bericht, das Interesse für die wegen 
ihrer Schönheit berühmte Ginevra Benci abgehalten haben, deren Bildniss 
er malte. Dieses Werk ist "jetzt nicht mehr nachzuweisen, da das in 
der Galerie Pitti dafür gehaltene Porträt zu gering, zu hart und reizlos 
für Lionardds Hand erscheint. Auch das daselbst befindliche Porträt 
eines Goldschmieds, ein Werk von tiefem Farbenton, dürfte eher dem 
Francia zukommen. 
Im Jahre 1502 wurde Lionardo seinen künstlerischen Arbeiten 
durch Cesare Borgia entzogen, der ihn als einen der berühmtesten 
Kriegs- und Festungsbaumeister in seine Dienste berief, um die durch Blut
        

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