Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271182
Studien 
ZUITI 
Abendmahl. 
59 
Dramatischen auszuschütten vermag. Dazu kommt die Mannichfaltigkeit 
der Stellungen und Geberden, der reiche Wechsel der Stimmungen 
und bei strenger architektonischer Gruppirung eine freie Beseelung 
des Rhythmus, die mit dem Erguss höchster Lebendigkeit den Paral- 
lelismus des Ganzen umspielt. Wir können Aehnliches im ganzen 
Bereiche der Kunst nur in den Giebelfeldern des Parthenon nachweisen. 
Mit Recht nennt Jacob Burckhardt diese mächtigen Gestalten "Vor- 
bilder aller Männlichkeit, erstgeborene Söhne der vollendeten Kunst". 
Den umgebenden Raum hat Lionardo äusserst einfach gehalten, 
um durch nichts den Betrachtenden von der Hauptsache abzulenken. 
Nur der Rückwand gab er eine Thür und zwei Seitenöffnungen, durch 
welche man in den Frieden einer schönen Landschaft mit fernen Schnee- 
gebirgen hinausblickt. Die räumliche Wirkung des Bildes wusste er 
aber dadurch bedeutend zu steigern, dass er die perspektivischen Linien 
der Architektur gleichsam als Fortsetzung des umgebenden Raumes 
erscheinen liess.  
Dass Lionardo zu diesem seinem Hauptwerke die gründlichsten 
Vorstudien gemacht haben wird, lässt sich annehmen. Im Besitz der 
Frau Grossherzogin zu Weimar befindet sich eine Reihe herrlicher 
Zeichnungen nach den zehn Apostelköpfen, mit Ausnahme des Simon 
und Bartholomaus, Welche so meisterlich ausgeführt sind, dass manche 
hervorragende Kenner, darunter Waagen, sie für Studien Lionardds 
gehalten haben. Sollten indess diese allerdings ganz in des Meisters 
Darstellungsweise behandelten Köpfe nicht von ihm selbst herrühren, 
wie es uns wahrscheinlicher dünkt, so stammen sie doch sicher aus 
seiner unmittelbaren Nähe und sind um so unschätzbarer, da sie uns 
denunversehrten Zustand dieser wichtigsten Theile des Bildes ver- 
gegenwärtigen. Die Köpfe des Petrus und Judas in der Ambrosiana 
(Br. 63) sind flüchtige Kopien nach dem Gemälde. Die achte Studie 
Lionardds zum Christuskopf dagegen bewahrt die Galerie der Brera 
(Fig. 8). Die Studienköpfe zum Simon, Judas, Philippus und Bar- 
tholomäus glauben wir zu Windsor nachweisen zu können (Nr. S. 11. 
16. 17), die beiden ersteren in Rothstift ausgeführt; ebendort die meister- 
liche Röthelstudie zur linken Hand des Bartholomäus (nebst einer andern 
Hand auf demselben Blatte Nr. 67). Ausserdem dort in geistreicher 
Federzeichnung die ersten leicht hingeworfenen Gedanken zum Abendmahl 
(Nr. 80): Judas sitzt noch nach altem Herkommen den übrigen J üngern 
gegenüber; daneben eine Variante, wo Judas aufgestanden ist, um 
mit Christus zugleich in die Schüssel zu tunken, während Petrus oder ein
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.