Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271120
Abendmahl 
Das 
Lionardds. 
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für das Refectoriuin von Sta. Maria delle Grazie ausgeführte welt- 
berühmte Abendmahl. d) In diesem Werke hatte er all sein Wissen 
und Können in grossartiger Anspannung und Concentration der Kräfte 
niedergelegt. Leider ist auch diese Schöpfung von vernichtenden 
Schicksalen verfolgt worden. Den ersten Anstoss zum Verderben hatte 
der Künstler selbst gegeben, indem er, um die höchst mögliche Vol- 
lendung zu erreichen, das Bild in Oelfarben auf die Wand malte. 
Während das einige Jahre vorher in demselben Raum ausgeführte 
Fresko von Montorfano (I. S. 493) bis auf den heutigen Tag wohl- 
erhalten ist, blätterte Lionardo's Meisterwerk bald dermassen ab, dass 
es schon nach fünfzig Jahren als ruinirt galt. Eine rohere Zerstörung 
verhängten die Dominikanermönche des Klosters über das edle Werk, 
als sie im Jahre 1852, eines bequemeren Zuganges wegen, in der Mitte 
der Wand eine Thür ausbrechen liessen, welche nicht bloss Christus und 
die benachbarten Apostel ihrer Füsse beraubte, sondern auch durch die 
Erschütterung der Mauer das Verderben des Bildes noch mehr beschleu- 
nigte. Damit noch nicht genug, nagelte man auch in dasselbe ein kaiser- 
liches Wappen, welches bis auf den Scheitel Christi herabreichte. Hatten 
diese muthwilligen Beschädigungen das Bild auf's Aeusserste gefährdet 
und das Abblättern der Farben nur noch beschleunigt, so wurde in 
der Folgezeit durch sogenannte Restaurationen der letzte Schlag der 
Vernichtung geführt. Im Jahre 1726 begann ein gewisser Bellotti 
das Bild mit frecher Hand zu übermalen, und was dieser verschont 
hatte, wurde 1770 durch einen elenden Stümper Namens Mazza voll- 
ständig überpinselt. Als die allgemeine Entrüstung dieser Barbarei 
ein Ziel setzte, waren nur noch die Köpfe von Simon, Matthäus und 
Thaddäus unberührt. Als 1796 Bonaparte in die Lombardei eindrang, 
befahl er Schonung des durch Lionardo's Kunst geheiligten Raumes, 
aber der Befehl wurde missachtet und das Refectorium in einen Pferde- 
stall verwandelt, wo dann der feuchte Brodem der Ausdünstung dem 
Gemälde ebenfalls schädlich wurde. Dann wieder diente der Raum als 
Heumagazin oder als Gewahrsam für Kriegsgefangene, und endlich 
überfiel die tiefgelegene Gegend im Jahre 1800 eine Ueberschwem- 
mung, bei welcher das Wasser in dem Saale mehrere Fuss hoch stand. 
A18 dann 1807 der Vicekönig von Italien seine Sorgfalt dem beispiellos 
misshandelten Bilde zuwandte, war nur eine entstellte Leiche von dem 
i) Vgl. G. Bossi, del cenacolo 
schönen Aufsatz von Goethe. 
di 
da 
Lionardo 
Vinci. 
Milano 
1810, 
den 
dazu
        

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