Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277220
632 
Buch. 
XIII. 
Kapitel. 
des venezianischen Festlandes. 
Maler 
Die 
wesentlichsten Grundzüge festzuhalten gesucht. Was seit der Mitte 
des 16. Jahrhunderts der italienischen Malerei die Auflösung brachte, 
war in erster Linie, dass sie den Kreislauf ihrer Gedanken erschöpft 
und sich zu einer stilistischen Form durchgearbeitet hatte, welche bald 
äusserlich und seelenlos werden musste. Damit war der Manierismus 
hereingebrochen. 
Aber auch die inneren Verhältnisse, die geistigen Strömungen 
der Zeit trugen wie immer zum raschen Verfall der Kunst bei. Nach 
der kurzen glänzenden Epoche, Welche in der Verschmelzung der be- 
geistert aufgefassten Antike mit den christlichen Anschauungen ihr 
höchstes Ideal fand, war bald ein Rückschlag eingetreten. Die geist- 
vollen Kreise des Humanismus hatten schliesslich über einem ertraumten 
Paradiese die Wirklichkeit so weit vergessen, dass erst die rauhe, 
gewaltige Thatsache der deutschen Reformation sie zum Bewusstsein 
der Weltlage brachte. Nun erhob sich, geführt von der neuen Macht 
des Jesuitismus, die Kirche noch einmal und strebte mit allen Mitteln 
eine neue Begründung und Erweiterung ihres Reiches an. J e weniger 
man sich aber zu einer inneren Reform verstehen konnte, desto ent- 
schiedener versuchte man es mit einer Steigerung der äusseren Mittel, 
die alsbald in dem pomphaften Barockstil und in einer ihm entsprechen- 
den plastischen und malerischen Dekoration ihren Ausdruck fand. Die 
Malerei vor Allem, als die populärste, modernste und wirksamste der 
drei Künste, wurde zu einer prahlerischen, effekthaschenden Massen- 
produktion erhitzt, in welcher sehr viel Talent vergeudet wurde, das 
Virtuosenthum aber allen Ernst und alle Gediegenheit, alle Wahrheit 
und Schönheit zu Gunsten einer theatralischen Bravour preisgab. Diese 
Krankheitsgeschichte der Kunst zu verfolgen, verzichtet unsere Dar- 
stellung, ebenso wie sie sich's versagen muss, die spätere Neubelebung 
der Kunst zu schildern. Das grossartige Gemälde des allmähligen 
Aufsteigens und Wachsens der italienischen Malerei bis zu ihrer höchsten 
Blüthe, das des eingehenden Studiums jedes Gebildeten werth ist, sollte 
nicht durch die Betrachtung ihres Hinwelkens und Absterbens abge- 
schwächt werden.
        

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