Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277177
Lorenzo Lotto. 
Bergamasken: 
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im Louvre, ein kleines Bild mit hochpoetischer, fast miniaturhaft aus- 
geführter Landschaft, deren Auffassung und Behandlung den Einßugg 
Giorgionds verräth. Aehnlichcr Art ist das Landschaftliche in einem 
Madonnenbilde der Bridgewater-Galerie zu London; noch entschie- 
dener aber verrath sich Giorgionefs Einfluss in dem Bilde der drei 
Lebensalter in der Galerie Pitti, welches jedoch stark gelitten hat. 
Vielleicht sein edelstes Werk aus dieser Epoche ist die ergreifende 
Pieta in S. Maria del1' Orto zu Venedig, wo der Körper Christi noch 
herb und streng aufgefasst, aber trefflich modellirt und in weichem 
sehmelzendem Vortrag gemalt ist. Die tiefe Kraft des Kolorits, das 
durch einen beschattenden Baum ein stimmungsvolles Helldunkel erhält, 
der ergreifende Ernst des Ausdrucks, die energische Farbenwirkung, 
das Alles bezeugt einen lebendigen Wetteifer mit Griorgione. Eine 
merkwürdige Wandlung seines Stils bezeichnet sodann die Grablegung 
in S. Floriano zu Jesi vom Jahr 1512, wo zwar die Landschaft noch 
an Giorgione erinnert, aber in der Farbenbehandlung und der stark 
gesteigerten Ausdrucksweise sich plötzlich eine Einwirkung Costa's und 
Franciaßs geltend macht. 
Noch mächtiger, aber dabei wieder mehr in venezianischer Rich- 
tung ist das grosse Bild in S. Pietro in Alzano, welches den Tod 
des Petrus li1artyr in ergreifender Weise schildert. Aus dem Jahr 1516 
stammt sodann die Altartafel der thronenden Madonna mit zehn Hei- 
ligen am Hochaltar von S. Bartolommeo zu Bergamo, eins seiner 
bedeutendsten Werke, von mildem klarem Kolorit und innig edlem 
Ausdruck, aber in der weltlichen Heiterkeit des Tones und in dem 
Streben nach gefälliger Grazie merkwürdig mit Correggio zusammen- 
treffend. Noch auffallender nähert er sich jenem Meister in dem 
grossen Altarbild der thronenden Madonna vom Jahr 1521 am vierten 
Altar rechts in S. Spirito daselbst. Die weichen Lufttöne, das duftige 
Helldunkel, die strahlend herrlichen Köpfe, die stark bewegten Motive 
der vier den Thron umgebenden Heiligen, namentlich aber die fast 
theatralische Art, mit welcher dielMadonna die Hand ausstreckt und 
auf das Kind zeigt, das Alles gemahnt stark an Correggio, Von der 
leichten Schöpferkraft des Künstlers fgiebt nichts eine so deutliche 
Vorstellung, als die Thatsache, dass er in demselben Jahre 1521 ein 
zweites noch kolossaleres Altarwerk zu Stande brachte, die Hochaltar- 
tafel in S. Bernardino. Auch hier ist es wieder die thronende Ma- 
donna, die ebenfalls die Hand ingeffectvoller Bewegung ausstreekt; 
auch hier umgeben vier Heilige mit stark erregtem Ausdruck den
        

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