Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277148
624 
Buch. 
XIII. 
Kapitel. 
Maler 
venezianischen Festlandes. 
den auferstandenen Christus der Magdalena erscheinend darstellt. Hier 
nennt er sich mit seinem Beinamen Rizo (nFranziseus Rizus"). Auf 
seiner Anbetung der Könige in der Galerie zu Berlin, die sich durch 
zierliche Sorgfalt der Behandlung auszeichnet, fallen wieder die aus- 
druckslosen rundlichen Formen auf, die sich in sehr verschwommener, 
ja. verblasener Farbenbehandlilng darstellen. 
Neben ihm ist der jüngere Giirolaßmo da Santa Croce von ähn- 
licher Grundlage ansgegangen, wie sein grosses Altarstüek des thro- 
nenden Thomas von Aquin vom Jahr 1520 in S. Silvestro zu Venedig 
beweist. Seine nicht seltenen Arbeiten von meist kleinem Format sind 
meistens noch mit alterthümlicher Zierlichkeit behandelt, nicht eben 
geistvoll, aber hübsch und anziehend durch ein blühendes Kolorit. 
Eine Reihe von Bildern besitzt das Museum zu Berlin; namentlich 
eine Geburt des Christkindes, das von Maria, Joseph und den Hirten 
verehrt wird, während man im Hintergrunde der reichen Gebirgsland- 
schaft die h. drei Könige heranziehen sieht. Ebenso schön gemalt 
und mit hübscher Landschaft, aber auch ähnlich ausdruckslos und 
gleichgültig ist in derselben Sammlung ein h. Sebastian. Die Krö- 
nung der Madonna, ebenfalls ein kleines Bild derselben Galerie, ist 
lebendiger componirt, wiederum fein und warm im Kolorit, dabei die 
Landschaft duftig abgetönt. Noch anziehender, von köstlicher Feinheit 
der Stimmung, ist der landschaftliche Hintergrund auf einem kleinen 
Bilde der Kreuzigung ebendort, wo die Figürchen sehr modern, dabei 
ohne Tiefe des Ausdrucks sind, die Färbung aber warm und frisch. 
Steifer und härter gemalt ist sodann ebendort die Kreuztragung. Auch 
die Galerie zu Dresden besitzt zwei ähnliche kleine Bilder, welche 
das Martyrium des h. Laurentius (eine Wiederholung im Museum zu 
Neapel) und die Geburt Christi schildern. Ein kleines Bild der An- 
betung der Könige sieht man in der Galerie Manfrin zu Venedig, 
mehreres in der Galerie zu Bergamo. 
Eins seiner letzten Bilder ist das Abendmahl vom Jahr 1549 
in S. Martino zu Venedig, eine Reihe lebensgrosser Figuren, von 
lebendigem Ausdruck in den tüchtig charakterisirten Köpfen, die Com- 
position und Auffassung der um einen runden Tisch gruppirten Ge- 
stalten freilich schon sehr modern, aber die Farbe tief und kräftig. 
Das ganze Werk offenbart das Ergebniss eines energischen Wetteifers 
mit den grossen Künstlern der Zeit. In derselben Kirche sieht man 
einen auferstandenen Christus, offenbar ein frühes, schlicht anziehendes 
Werk des Meisters.
        

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