Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277112
Brescianer: 
Batt. 
Giov. 
Moroni. 
Savoldo. 
Girol. 
Gian. 
621 
Als Schüler des Meisters lernen wir Giiov. Battista Morom" kennen, 
der hauptsächlich als Porträtmaler einen hohen Rang einnimmt. Um 
1510 in dem Dorfe Bondo, unweit Brescia, geboren, lebte er bis 1578, 
Die Bildnisse seiner guten Zeit zeichnen sich durch energische Auf- 
fassung der Wirklichkeit, gediegenste Durchführung und fein abge- 
töntes Kolorit aus; erst in der späteren Zeit verfällt er in eine zu 
monotone röthliche Carnation und in Flauheit der Behandlung. 
Neben Moretto ist endlich Gian Girolavno Scwolrlo zu nennen, 
der zu Brescia geboren, 1508 in die Zunft zu Florenz als Meister 
aufgenommen wurde, später in Brescia, vorübergehend in Treviso und 
endlich in Venedig thatig war, wo wir ihn 1548 noch am Leben finden, 
In seinen kirchlichen Bildern hat er manche Verwandtschaft mit M0- 
retto, steht aber hauptsächlich unter dem Einfluss der Venezianer, und 
zwar in der früheren Zeit des Giorgione, später des Tizian. Wahr- 
scheinlich ist er nicht lange in Florenz geblieben, da wir keine Spuren 
florentinischer Kunst bei ihm wahrnehmen. Die erste sichere Nach- 
richt über ihn datirt aus Treviso, wo ein sonst nicht bekannter Fra 
Marco Pensaben 1520 sich verpflichtet hatte, für die Kirche S. Niccolb 
ein Altarbild auszuführen. Nachdem dieser räthselhafte malende Kloster- 
bruder einige Vorschüsse erschlichen hatte, machte er sich aus dem 
Staube und war trotz aller Nachforschungen nicht aufzutreiben. Nun 
wurde Savoldo beauftragt, das kaum begonnene Bild zu vollenden. 
Im Herbst 1521 kam er von Venedig nach Treviso und schuf jenes 
herrliche Bild, welches man jetzt noch auf dem Hochaltar von S. Niccolo 
bewundert. Es ist ein Werk ersten Ranges, in den grossen Formen 
der eben zur vollen Freiheit entfalteten Kunst ausgeführt. In glän- 
zender Goldmosaiknische thront die Madonna, eine edle, in den Formen 
und Haltung an Bellini erinnernde Gestalt. Wie sie die eine Hand 
auf die Thronlehne stützt und das vor ihr stehende segnende Kind 
auf ihrem Schoosse hält, das ist völlig ein Motiv BellinYsf Auch der 
an den Stufen des Thrones sitzende Engelknabe mit der Laute erin- 
nert an jenen Meister. Zu jeder Seite der Madonna stehen drei Heilige, 
Hieronymus, Thomas von Aquin und der jugendliche Liberalis in 
ritterlicher Rüstung, gegenüber Dominikus, Nikolaus und Benedict IX. 
Voll Macht und Lebensfülle in tief bräunlichem glühendem Kolorit 
und in grossartig breiten Formen bekundet sich ein Künstler, der sich 
selbständig aus Bellini's Schule zu höchster Freiheit und Lebendigkeit 
entwickelt hat. Er berührt sich darin mit Sebastian del Piombo und 
bewährt sich in mächtiger Anspannung der Kräfte besonders durch
        

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