Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277061
616 
Buch. 
XIII. 
Kapitel. 
hlaler 
venezianischen 
F estlandes. 
etwas zu monoton und Haeh in der Charakteristik. Endlich ebendort 
in einer südlichen Kapelle ein Altarbild mit der h. Cäcilia, welche von 
Barbara und Lucia, Agnes und Agatha begleitet ist, eine treffliche 
Gruppirung mild schöner Gestalten, fein und edel, leider ebenfalls 
übel zugerichtet.  
In einem merkwürdigen Gegensatz zu diesen idealen Gruppen 
steht das in energischem Realismus nach Art der Venezianer durch- 
geführte Bild der dortigen Galerie, welches in kraftvoll warmem, an 
Tizian erinnernden Kolorit Christus mit den Jüngern in Emmaus dar- 
stellt. Auch eine Madonna mit dem Kinde in einer schönen Landschaft 
sitzend, von den Hirten verehrt, ist ein Bild, das durch den tiefen 
warmen Ton an die Venezianer erinnert. In derselben Sammlung ist 
sodann noch eine treffliche Verkündigung hervorzuheben. In S. Pietro 
in Oliveto sah man ehemals die jetzt im bischöflichen Palast befindlichen 
vier Bilder aus dem Leben des h. Petrus, die zu des Meisters leben- 
digsten Arbeiten gehören. Der mittleren Zeit Morettds entstammen 
ferner die grossartige Tafel der Magdalena, welche Christus die Füsse 
wäscht, in S. Maria Calchera, ein Bild von tizianiseher Noblesse, sodann 
die Geburt Christi in S. Maria delle Grazie, eine köstliche Familienscene; 
in derselben Kirche das herrliche Altarbild des h. Antonius von Padua 
mit S. Antonio Abbate und S. Niecolo da Tolentino, wieder ein Werk 
von machtigem tizianischem Kolorit und grossartig feierlichem Aufbau. 
Aebnliche Höhe der Entwickelung zeigt die Altartafel vom Jahr 
1530, welche man rechts in einer Seitenkapelle von S. Francesco sieht. 
Sie enthält in der Mitte unter einer Bogenhalle die h. Margaretha, eine 
Gestalt von ernster, grossartiger Schönheit, zu welcher Franziskus 
schwärmerisch hinblickt, während andererseits der h. Hieronymus ganz 
in sein Buch vertieft ist, und zwei reizende Engelknaben am Gebäude 
hinklettern, um ein Blumengewinde daran zu befestigen. Es ist ein 
einfach edles Bild, in der Farbe ungemein tief und kräftig bei weich 
verschmolzenem Vortrag. Üeberaus eigenthümlich sodann ist die Votiv- 
tafel der Madonna in S. Maria de' Miracoli am ersten Altar rechts, 
1539 für Galeazzo Rovelli ausgeführt. Unter dem Schutz des h. Niko- 
laus, einer würdevollen Greisengestalt, erscheinen vier Knaben vor der 
Madonna, die seitwärts auf einem Throne sitzt und das in lebhafter 
Bewegung auf ihrem Schooss reitendc Christkind auf die unten stehende 
Gruppe aufmerksam macht. Diese malerisch freie Composition ist 
gleichsam die Üebersetzung von Tizian's Pala Pesaro in's schlicht 
Gemüthliche. Wir haben hier ohne Frage eins der liebenswürdigsten
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.