Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277018
Brescianer: 
Romanino. 
Girolamo 
611 
herangewachsenen Moretto einen künstlerischen Gefährten, mit dem er 
in freundschaftlicher Gemeinsamkeit thätig war. So entstanden 1521 
die Bilder in S. Giov. Evangelista, wo das Gastmahl Christi beim 
Pharisäer, die Auferweckung des Lazarus, die Evangelisten Matthäus 
und Johannes, und in der Lünette die Verehrung des Sakraments auf 
Romanino fallen. Es sind Arbeiten, die trotz übler Erhaltung Schwer- 
fälligkeit der Formen und verschwommene, dabei oberflächliche Aus- 
führung deutlich erkennen lassen und daher wenig erfreulich wirken. 
Noch andere Reste von Fresken ähnlichen Charakters sind in den 
Kirchen und der Galerie der Stadt zu sehen. Üngleich werthvoller 
ist die Communion des h. Apollonius in S. Maria Calchera, eins der 
schönsten Werke seiner mittleren Zeit, durch würdige Gestalten, 
Innigkeit des Ausdrucks, stille Sammlung und ein mildes harmonisches 
Kolorit dem Moretto so nahestehend, dass man den Einfluss des 
jüngeren Meisters auf den älteren deutlich gewahrt. Von ähnlicher 
Art ist eine schöne Madonna mit zwei Heiligen und einem knieenden 
Stifter in der Sammlung Erizzo-Maffei; noch bedeutender aber ist 
das grosse aus S. Alessandro stammende Madonnenbild in der National- 
galerie zu London, welches zwar in Form und Ausdruck etwas ge- 
wöhnlicher, aber in der Lebendigkeit der Bewegungen und in der 
kraftvoll harmonischen Farbe sehr anziehend wirkt. Auf den Flügel- 
bildern sind je zwei einzelne Heilige dargestellt. Ein sehr tüchtiges 
Bild von energischem Ausdruck und tiefer Farbenwirkung ist sodann 
die aus S. Faustino stammende grosse Pietät im Museum zu Berlin. 
Fortan bemerkt man immer mehr, wie Romanino, durch den 
Einfluss Morett0's bestimmt, sein früher ungemein gluthvolles Kolorit 
abdämpft und mildert, so dass der venezianische Goldton sich in den 
für die Brescianer bezeichnenden Silberton umwandelt. Solcher Art 
ist die Verlobung der h. Katharina in der Sammlung Erizzo-Maffei, 
der kreuztragende Christus in der städtischen Galerie, endlich die 
Pietät und die Geburt Christi in S. Giuseppe. Dahin gehört ferner 
die Himmelfahrt Maria in S. Alessandro zu Bergamo, ein Werk von 
bedeutender Kraft und Grösse der Auffassung. Von anderen unerheb- 
lichen Werken des Künstlers darf Umgang genommen werden; doch mag 
erwähnt werden, dass im Schloss zu Trient ansehnliche Reste von Fres- 
ken vorhanden sind, welche Romanino dort um 1540 ausgeführt hat. Im 
Treppenhause zunächst sieht man an den Gewölben verschiedene flott 
behandelte Fresken, welche seine Hand erkennen lassen; sein Hauptwerk 
dort ist aber die Dekoration der grandiosen Halle im ersten Stock, welche
        

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