Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276996
Brescianer: 
Girolanlo Romanino. 
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grünen Teppich ausgespannt halten, während die Heil. Rochus und 
Ludwig zu den Seiten stehen, erinnert an die herkömmliche vene- 
zianische Auffassung, die hier in ziemlich freier Behandlung, Wenn 
auch noch in etwas flüchtiger Zeichnung, mit grosser Kraft des Kolorits 
sich geltend macht. Zu glänzender Wirkung erhebt sich seine Kunst 
in der prächtigen Altartafel in S. Francesco zu Brescia, welche die 
Jahrzahl1502 trägt, aber wahrscheinlich nur zur Bezeichnung des 
Datums der Stiftung, da der Künstler erst später zu dieser Reife gelangt 
ist. (Fig. 133.) Unter einem prächtigen Triumphbogen sitzt die thronende 
Madonna, von Franziskus und Antonius, Bernardin, Ludwig, Bona- 
ventura und noch einem h. Franziskanermönch verehrt, während hinter 
ihr zwei tänzelnde Engelchen einen Teppich halten. Das Bild erinnert 
im Aufbau und der Farbenpracht an die Schule Bellini's, während 
man in der fast ekstatischen Bewegung einen Nachklang von Francia 
und einen Vorboten Correggids zu erkennen vermeint. Von hinreissender 
Wirkung ist die gewaltige Farbengluth und Leuchtkraft, welche durch 
die tiefen und doch klaren Schattenmassen noch gehoben wird. Die 
lebendigen Bewegungen und die energischen Charakterköpfe lassen den 
etwas gleichgültigen Ausdruck der Madonna fast vergessen. Der 
reich geschnitzte alte Rahmen erhöht noch den Effekt des Ganzen, 
das sehr an Palma erinnert. 
Bald nach Vollendung dieses Bildes brach die Katastrophe über 
die unglückliche Stadt herein, die sich am 3. Februar 1512 gegen die 
ihr aufgedrungene französische Besatzung erhob und dieselbe zum 
Rückzug in die Citadelle zwang. Aber Gaston de Foix eilte von 
Bologna herbei und eroberte in wüthendem Angriff die Stadt, die 
einem furchtbaren Gemetzel und einer noch grauenhafteren dreitägigen 
Plünderung preisgegeben wurde. Romanino war rechtzeitig diesen 
Greueln entwichen und nach Padua gegangen, wo damals gerade 
Tizian thätig war und der Prachtbau von S. Giustina sich erhob. Für 
die Mönche dieses Klosters erhielt der Künstler 1513 den Auftrag, 
die grosse Altar-tafel auszuführen, welche man jetzt in der Galerie 
daselbst sieht und die den Namen des Meisters trägt: „Hieronimi 
Romani de Brixia opus". Auch hier sieht man wieder die Madonna, 
unter einem prachtvollen Triumphbogen thronend, von vier Heiligen 
verehrt, während zwei Engelknaben, in keck tänzelnder Bewegung mit 
einem Fass auf dem Throne stehend, sie eben bekrönen. Ein dritter 
sitzt ihr zu F üssen und spielt das Tambourin. Es ist wieder ein sehr 
bedeutendes Werk von prachtvoll frischen und leuchtenden Farben, 
Lühke, Italien. Malerei. II. 
        

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