Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276912
Friauler: 
Pordenone. 
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In dieselbe Zeit fallen einige seiner besten Altarbilder; zunächst 
die Tafel in S. Giov. Elemosinario, wo der heil. Rochus zwischen 
Katharina und Sebastian dargestellt ist; sodann die grosse jetzt in der 
Akademie befindliche mit der Verherrlichung des heil. Lorenzo 
Giustiniani, ehemals in der Madonna dell' Orto. Man sieht in der Mitte 
vor einer in Goldmosaik strahlenden Nische den Heiligen, eine ascetisch 
dürre Greisengestalt, von zwei Knieenden verehrt; neben ihm steht einer- 
seits der heil. Augustinus, gegenüber Johannes der Täufer, dazu noch 
Franziskus und ein anderer Heiliger. So, meisterlich hier die Farben- 
behandlung in ihrer harmonischen Kraft und dem weichen Schmelz 
der Töne ist, so gediegen die technische Ausführung, so wenig an- 
sprechend, so arm an geistiger Tiefe erscheinen die Gestalten. Am 
unerfreulichsten wirkt die nüchterne Trockenheit im Kopfe der Haupt- 
figur und die prahlerisch sich vor-drängende Athletengestalt des Täufers 
mit der Muskulatur eines Herkules und dem ausdruckslos conventio- 
nellen Kopfe. Wie weit bleibt der Künstler trotz aller Anstrengung 
hinter der herrlichen Geistesgrösse Tizian's zurück! 
Noch im Jahre 1538 finden wir Pordenone mit Aufträgen für 
den Herzog von Ferrara betraut, für welchen er Scenen der Odyssee 
als Vorlagen für Arrazzi zu malen hatte. Auf dringendes Verlangen 
des Fürsten reiste er im Dezember desselben Jahres nach Ferrara, 
WO er sofort begann, weitere Arbeiten für den Herzog auszuführen, 
als er plötzlich heftig erkrankte und, ehe noch die Verwandten benach- 
richtigt werden konnten, starb. Er wurde in der Kirche S. Paolo 
bestattet und hinterliess eine Wittwe mit vier Kindern und einem 
fünften, das sie unter dem Herzen trug.  
Von Galeriebildern Pordenonds ist nicht viel Aechtes vorhanden. 
Im Quirinal zu Rom sieht man eine treffliche Darstellung des heil. 
Georg zu Pferde im Kampfe mit dem Drachen auf einem reichen 
landschaftlichen Hintergründe; in der Kirche zu Torre im Friaill be- 
findet sich ein grosses Altarbild der Madonna mit vier Heiligen; in 
S. Maria degli Angeli auf Murano eine Verkündigung von auffallend 
flüchtiger Ausführung. Mehrere Male hat Pordenone sich auch in jenen 
einzelnen Halbfiguren versucht , welche Giorgione und Palma aufge- 
bracht hatten. Ein Prachtstück dieser Art ist die Salome umit dem 
Haupte des Täufers auf der Schüssel in der Galerie Doria zu Rom, 
von glühender Farbe, von weichem goldigem Duft der Carnation, der 
Kopf von verführerischem Reiz mit herrlich leicht gemalten Locken, 
dies Alles wirksam hervorgehoben durch das prachtvoll rothe Gewand
        

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