Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1271042
Francesco Sforzefs. 
Reiterhild 
Höhe von über zwanzig Fuss ausgeführt, soll 1499 bei der Einnahme 
Mailands durch die Franzosen von Gascognischen Armbrustschützen, 
die es als Zielscheibe benutzten, zerstört worden sein. Doch wider- 
spricht dieser Üeberlieferung eine Aeusserung des mit Lionardo be- 
freundeten Luca Pacioli, welcher von dem ausgeführten Denkmal spricht 
und das Erzgewicht desselben auf 200,000 Pfund angiebt. Gleichwohl 
durften später in Florenz Lionardds Neider und "darunter selbst der 
jugendlich übermüthige Michelangelo ihm vorwerfen, dass er nicht im 
Stande gewesen sei, das Werk zu giessen: ein Vorwurf, der keinen 
Sinn gehabt hätte, wenn das Standbild vollendet worden wäre. Wie 
dem auch sein mag, auf alle Fälle hat damals schon der Untergang 
Lionardo's grosses Werk ereilt. In einem Manuscript der Pariser 
Bibliothek hat Waagen eine Miniatur gefunden, welche wahrscheinlich 
das Denkmal darstellt. Es giebt den Herzog in ruhiger Haltung, den. 
Kommandostab in der Hand, in einer Auffassung, welche der des kurz 
zuvor entstandenen Colleoni seines Meisters Verrocchio im Wesentlichen 
entspricht. Von den tmablässigen Studien Lionardds für dieses Haupt- 
werk geben mehrere Blätter zu Windsor (Nr. S5, 87-92) Zeugniss, 
welche nicht weniger als zehn Varianten. von zwei verschiedenen Auf- 
fassungen des Denkmals enthalten. Das eine Mal ist der Reiter auf 
feurig galoppirendem Rosse in leidenschaftlicher Bewegung über einen 
zu Boden gestürzten Feind dahinsprengend dargestellt. Dabei sind 
mehrere Entwürfe zugleich mit dem ganzen Unterbau versehen, der 
den Sarkophag mit der darauf ausgestreckten Figur des Verstorbenen 
enthält. Einmal, in einer ganz kleinen Skizze, ist angegeben, wie das 
Monument in Form eines römischen Triumphbogens, gekrönt von der 
Reiterstatue, zu behandeln wäre. Die zweite Auffassung, der sich der 
Künstler schliesslich zugewendet zu haben scheint, giebt den Reiter in 
energisch straffer Haltung auf ruhig schreitendem Rosse; die Art, wie 
er sich wuchtig in den Steigbügeln hebt, erinnert deutlich an Colleoni. 
Auch hier fehlt es nicht an Entwürfen des Unterbaues mit der lie- 
genden Grabgestalt. Meisterhafte Pferdestudien, besonders den Kopf 
des edlen Thieres betreffend, sind mit dieser Reihenfolge verbunden. 
Wenn wir die lange Zeit erwägen, welche Lionardo auf dieses 
Werk verwendet hat, so erkennen wir leicht, dass eine Uebermasse 
anderer Geschäfte und Studien sich dazwischen gedrängt haben muss. 
Vor Allem forschen wir nach den damals entstandenen Gemälden des 
Meisters, aber auch diesen war grossentheils das Schicksal feindlich, 
und von den wenigen erhaltenen ist es überaus schwierig, eine bestimmte 
Lübke, Italien. Malerei. II. 4
        

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