Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276846
594 
Buch. 
Kapitel. 
XIII. 
Maler 
Die 
venezianischen 
des 
Festlandes. 
entwürdigt hat. Vielleicht noch unangenehmer fallt die kolossale, ganz 
in den Vordergrund gerückte Figur eines ebenfalls die Rückseite bie- 
tenden am Boden knieenden Mannes auf, der in starker Verkürzung 
mit den straff gespannten Hosen an dieser Stelle wahrhaft abscheulich 
wirkt. Auch bei Gaudenzio fanden wir ja einzelne Geschmacklosig- 
keiten, aber nichts von so tiefer Rohheit der Empfindung; ausserdem 
wurde dort dergleichen durch die Stärke und die warme Innigkeit des 
religiösen Gefühls aufgehoben, während bei Pordenone solche Züge 
der eigentliche Ausdruck seiner inneren Gleichgültigkeit sind. So 
kommt es, dass er, obwohl an Begabung und Geschick dem Pellegrino 
überlegen, dennoch an geistigem Gehalt ihm untergeordnet bleibt. 
Dieyrechte Chorwand erhielt sodann im Bogenfelde eine fast ganz 
zerstörte Darstellung Christi in der Vorhölle. Darunter an der Wand 
sieht man zur Rechten Zacharias, der den Namen des neugeborenen 
Kindes schreibt, Welches von einer Magd im Geleit hübscher Frauen 
herbeigebracht wird. Zacharias sitzt vor einer reich dekorirten Halle 
am Tisch, neben ihm steht ein Mann im Turban und ein Page in der 
bunten Tracht der Zeit. Die ganze. Scene ist voll Anmuth, einfach 
und klar componirt, flüssig gemalt in einem Stile, welcher sichtlich 
die Einiiüsse Giorgione's und Palma's verräth. Daneben, rechts vom 
Fenster, die Heimsuchung, noch ausdrucksvoller und anziehender, drei 
schön empfundene Gestalten in einer Landschaft, vor einer ionischen 
Saulenhalle; besonders fessehld die prächtig gemalte Gestalt der heil. 
Elisabeth; minder bedeutend, aber doch freundlich, die Madonna, von 
frischer Anmuth die im Profil gesehene Begleiterin. Der Künstler, 
der sonst bei bedeutenderen Vorgängen geringe geistige Tiefe, Mangel- 
haftigkeit der Anordnung und selbst starke Geschmacklosigkeit zeigt, 
verräth hier bei schlichtercn Aufgaben ansprechendes Lebensgefühl und 
zugleich eine freiere Entwicklung seines malerischen Stils. Es hat viel 
Wahrscheinliches, dass die oben erwähnten Unruhen, welche seit 1507 
das Friaul heimsuchten, auch Pordenone zeitweise vertrieben haben, 
so dass der Abschluss dieser Arbeiten erst um 1513 erfolgt sein mag. 
Jedenfalls bezeugen sie, dass der Künstler inzwischen Venedig besucht 
und von dem bedeutenden Umschwung der dortigen Malerei durch 
Giorgione und Palma stark berührt worden ist. 
Noch deutlicher erkennt man diess an dem treiflichen Altarbild 
in der Pfarrkirche zu Susigana, einem kleinen, am Fuss des Hügels 
von Colalto gelegenen Dorfe. Man sieht die Madonna in einer antiken 
Ruine mit halbzerstörtem Kuppeldach sitzen, eine recht edel empfun-
        

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