Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1276817
Friauler 
Pellegrino. 
Pordenone. 
591 
Sein reifstes und vollendetstes Altarwerk aber ist die grosse 
i. J. 1529 um den Preis von 100 Dukaten ausgeführte Tafel in S. Maria 
de' Battuti zu Cividale. Es ist ein stattliches Werk, welches die 
Madonna, eine edle in einer halbzerstörten antiken Ruine thronende 
Gestalt, enthält. Sie neigt sich huldvoll herab und hält das auf dem 
Schosse stehende Kind, welches sich zu Johannes dem Täufer vor- 
beugt. Diesem tritt der h. Donatus mit dem Modell der Stadt gegen- 
über, eine herrliche Jünglingsgestalt in tief rother Dalmatika. Die 
Madonna umgeben vier weibliche Heilige, Thekla, Euphemia, Dorothea 
und Erasma, theils mit langen geflochtenen Zöpfen, theils in phan- 
tastischen Turbauhauben. An den Stufen des Thrones sitzt ein eifrig 
über die Laute vorgebeugter musizirender Engel, ganz nach Art 
Bellinfs und Cima's. Die Jungfrauen gemahnen theils durch die gross- 
artige Breite der Formen an Palma, theils durch den sinnigen Aus- 
druck an Francia. Die Bewegungen sind durchweg edel, die Ge- 
wänder von grossem freiem Wurf ohne alles Kleinliche, die Farbe ist 
von frischem Glanz und von harmonischer Leuchtkraft, mehr an Gau- 
denzio Ferrari _als an die Venezianer erinnernd. In jeder Hinsicht 
gehört das schöne Werk zu den vollendeten Meisterschöpfungen der 
freigewordenen Kunst. Auf den Seitenflügeln sind die Heil. Sebastian 
und Michael dargestellt, während die ehemals das Werk krönende 
Halbfigur Gottvaters Verschwunden ist. An Palma erinnert auch ein 
im Palazzo Giovanelli zu Venedig befindliches Bild der Madonna mit 
vier Heiligen aus Pellegrinds späterer Zeit. Der Künstler lebte noch 
bis 1547; von den zahlreichen urkundlich erwähnten Arbeiten dieser 
letzten Jahre scheint aber nichts mehr vorhanden. 
Eine ähnliche Bedeutung hat der unter dem Namen Pordenmze 
nach seinem Geburtsort benannte G501). Antonio Uorticelli, der auch 
unter den Benennungen Regillo oder Licinio oder De Sacchis vor- 
kommt. Er wurde 1483 als jüngerer Zeitgenosse Pellegrinds in 
Pordenone geboren, wo sein aus Brescia oder Lodi stammender Vater 
Baumeister war und den Sohn schon früh nicht bloss im Zeichnen und 
sogar im Latein, sondern auch in Gesang und Musik unterrichten liess. 
Dies gab dem jungen Künstler jene allgemeinere Bildung und Welt- 
gewandtheit, die ihn von dem meist in kleinen Provinzialstädten sein 
Leben verbringenden Pellegrino unterscheidet und ihn naohmals be- 
fahigte, in den grossen Kreisen der Welt, namentlich in Venedig mit 
Erfolg aufzutreten und sich Bahn zu brechen. Vielleicht zehn Jahre 
jünger als Pellegrino, scheint er von diesem in Udine die erste künst-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.